Mittwoch, 15. Januar 2014

Entscheidungen

Hallo Ihr Lieben,

im Laufe unseres Lebens müssen wir tagtäglich viele Entscheidungen treffen. Einige sind leichter zu treffen, wie z. B. die Entscheidung was man anzieht, trinkt oder isst. Dann gibt es aber auch viele Entscheidungen die beeinflussen wie unser Leben weiter verläuft.

Wenn man Kinder hat muss man dann auch noch viele Entscheidungen im Bezug auf seine Kinder treffen. Gerade wenn es die Kinder betrifft macht man sich immer besonders viele Gedanken. Zumindest ist es bei mir so. Ich bin nun seit etwas mehr als 8 Jahren Mutter und in der Zeit musste ich schon einige Entscheidungen treffen, die ich gerne jemandem anderen überlassen hätte, aber das geht ja nun einmal nicht.

Gerade eben stehe ich wieder vor so einer Entscheidung. Julian ist ein sogenanntes "Kannkind". Das bedeutet er kann dieses Jahr im September in die Schule gehen, muss aber nicht. Bei uns in Bayern ist der Stichtag für die Einschulung seit dem Schuljahr 2010/11 der 30. September. Kinder, die nach diesem Stichtag 6 Jahre alt werden, können eingeschult werden, wenn zu erwarten ist, dass sie voraussichtlich mit Erfolg am Unterricht teilnehmen können. Kinder, die nach dem 31. Dezember 6 Jahre alt werden, benötigen ein schulpsychologisches Gutachten, dass die Schulfähigkeit bestätigt.
Da Julian am 21. Oktober geboren ist fällt er genau in diesen Zeitraum rein. Er ist also eigentlich noch nicht schulpflichtig, kann aber, wenn wir als Eltern das möchten bereits in die Schule gehen. Die Entscheidung hierüber müssen die Eltern fällen.

Vielleicht denken sich jetzt einige - na wo liegt denn da das Problem? Für mich persönlich ist das ganze schon recht problematisch. Woher soll ich zum jetzigen Zeitpunkt wissen, was das beste für Julian ist.
Nachdem ich schon im September 2013 von unserer Kindergartenleiterin angesprochen wurde ob Julian jetzt 2014 in die Schule kommt und da schnell eine Entscheidung fallen sollte, weil die Vorschulkinder finanziell gefördert werden, habe ich die vorzeitige Einschulung einfach einmal beantragt. Der Antrag erfolgt schriftlich bei der Schule in der das Kind eingeschult wird. Da haben wir schon den nächsten Knackpunkt, denn auch Timo ist nicht in seiner Sprengelschule. Da diese in der entgegengesetzen Richtung zu meiner Arbeitsstelle und der Oma liegt habe ich bei Timos Einschulung einen Schulsprengelwechsel beantragt. Das war zwar damals ein größeres Drama als ich erwartet hatte, aber es hat dann doch geklappt. Und Julian soll natürlich auch in die räumlich günstiger gelegenere Schule.
Nachdem ich also erst in unserer eigentlichen Sprengelschule war um den Antrag auf vorzeitige Einschulung abzugeben wurde ich dann an die Schule verwiesen in die er dann voraussichtlich gehen wird.
Richtig wohl war mir bei der Sache im September ehrlich gesagt nicht, aber da ich von unserer Kindergartenleiterin wusste, dass man den Antrag auf vorzeitige Einschulung bis April zurücknehmen kann habe ich ihn dann eben doch einmal vorsichtshalber gestellt.
In den letzten Monaten habe ich mich dann eingehend mit dem Thema vorzeitige Einschulung auseinander gesetzt und musste feststellen, dass die Meinungen dazu ganz schön geteilt sind. Durchschnittlich wiederholen 28 Prozent der vorzeitig eingeschulten Kinder irgendwann eine Klasse. Also knapp ein Drittel verliert das gewonnene Jahr wieder. Bei den fristgemäß eingeschulten sind es nur 18 Prozent.
Es haben aber auch viele Bereiche aus dem Umfeld des Kindes Einfluss auf die Entscheidung. So sind Mädchen statistisch gesehen meistens reifer als Jungs im gleichen Alter. Kinder die schon große Geschwister haben haben da auch wieder einige Vorteile gegenüber den Erstgeborenen, da sie ja von den großen Geschwistern einiges mitbekommen.
Bei uns persönlich sieht es folgendermaßen aus:
  • Es würde sich für Julian vom Aufstehen her nichts ändern, da wir ja sowieso jeden Tag um 6:30 Uhr aufstehen, damit Timo rechtzeitig in die Schule und ich auf die Arbeit komme.
  • Julian ist schon relativ weit was die schulischen Anforderungen betrifft. Wesentlich weiter als Timo zu dem Zeitpunkt war. Das liegt natürlich unter anderem daran dass er mitbekommt wenn Timo Hausaufgaben macht und da auch immer wieder mal mitmacht. Er kennt alle Zahlen und Buchstaben und macht auch schon kleine Rechenaufgaben. Er verblüfft mich immer wieder, weil er Sachen weiß, die ich von einem 5jährigen absolut nicht erwarten würde.
  • Julians bester Freund wird dieses Jahr eingeschult und da Julian, anders als Timo, jemand ist der nicht so schnell Freundschaften schließt würde er davon sicher profitieren.
  • Wenn Julian dieses Jahr eingeschult wird bekommt er die Klassenlehrerin die Timo bis jetzt hatte. Mit ihr komme ich sehr gut zurecht und finde sie auch wesentlich sympatischer als die, die er nächstes Jahr bekommen würde.
  •  Meiner Meinung nach ist er aber emotional nicht unbedingt so gefestigt, dass er schon reif für die Schule ist. Er hat immer wieder Phasen in denen er wegen Kleinigkeiten einfach anfängt zu weinen. Ein sehr gutes Beispiel gab es vor kurzem im Kindergarten. Die Erzieherin hat ihn gebeten ein Bild auszumalen. Als er der Aufforderung nicht nachgekommen ist hat sie ihn noch einmal angesprochen, woraufhin er sofort in Tränen ausgebrochen ist. 
  • Wenn ich ihn frage ob er in die Schule will hat er bis vor ein paar Tagen immer nein gesagt. Erst seit kurzem kommt auf diese Frage hin und wieder ein ja, aber hauptsächlich weil er mit seinem Bruder zusammen sein möchte.
  • Er würde immer einer der kleinsten in der Klasse sein. Gerade bei Jungs kann das denke ich zum Problem werden. Wobei ich sagen muss, dass Timo einer der älteren in der Klasse ist und im ersten Jahr trotzdem so seine Probleme hatte, da er ein recht ruhiger und lieber Kerl ist, was die Jungs natürlich gleich ausgenutzt haben und erst einmal auf den schwächsten los gegangen sind. Inzwischen hat er aber gelernt sich durchzusetzten. Das liegt vor allem auch daran dass Timo viele Freunde hat die in solchen Situationen zu ihm helfen.
Mein Exmann hält sich aus der Entscheidung ob Julian nun eingeschult werden soll weitestgehend raus. Das kann ich einerseits ja auch verstehen, da ich schließlich dann mit Julian Hausaufgaben machen und mich um alle alltäglichen Probleme kümmern muss die so anfallen. Ihn betrifft es ja nicht weiter und er muss auch nicht mit den Konsequenzen leben, die eine vorzeitige Einschulung evtl. mit sich bringt.

Mit der Kinderärztin habe ich mich auch bereits über das Thema unterhalten. Die U9 haben wir bereits gemacht und da war alles in Ordnung. Uns wurde dann von der Kinderärztin angeboten, dass wir einen Test machen können um zu schauen, ob er denn vom Verständnis her schon schulfähig ist.

Diese Woche habe ich am Donnerstag ein Gespräch mit Julians Erzieher im Kindergarten. Da dieser mit den Kindern auch Zahlenland und das Bamberger Buchstabenprogramm, sowie WTP (Würzburger Trainingsprogramm) macht ist er denke ich jemand der ebenfalls sehr gut beurteilen kann ob Julian schon schulreif ist oder nicht.

Im Moment tendiere ich noch dazu ihn nicht dieses Jahr schon einschulen zu lassen, da ich ja bei Timo sehe was von den Kindern gefordert wird. Außerdem hat Timo leider einige Konzentrationsprobleme und ehrlich gesagt weiß ich nicht ob ich momentan die Nerven habe mich um 2 Schulkinder zu kümmern. Immerhin weiß ich ja noch nicht wie Julian sich in der Schule und vor allem dann zu Hause mit den Hausaufgaben verhält. Timo braucht viel Hilfe und hätte es am liebsten wenn ich die ganze Zeit neben ihm sitzen würde. Da er sich aber häufig selbst ablenkt braucht er an einigen Tagen über 2 Stunden für die Hausaufgaben und die Zeit kann ich mir einfach nicht nehmen. Erstens muss ich irgendwann ja auch mal den Haushalt einigermaßen auf Vordermann bringen und zweitens möchte Julian auch was von seiner Mama haben und sich nicht 2 Stunden alleine beschäftigen müssen.

Mal schauen was bei dem Gespräch mit dem Erzieher raus kommt. Dann werde ich wohl so langsam einmal eine Entscheidung treffen müssen. Ob es die richtige ist, werde ich wohl erst in einigen Jahren wissen, oder nie raus finden.

Hat von euch vielleicht schon jemand Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Wenn ja wie habt ihr euch entschieden?

Kommentare:

  1. Hallo Manu,

    Ich selber habe damit noch keine Erfahrung gemacht, aber eine Freundin und sie bereut diesen Schritt total, Ihre Tochter wurde damals mit 5, 3/4 eingeschult und hat im ersten halbjahr schon das ein oder andere Problem gehabt wohl es hiess sie sei fit genug was das geistige angeht aber sie war der Herrausforderung körperlich nicht gewachsen und so beschlossen Lehrer und Eltern sie die 1 Klasse zu wieder holen. Jetzt geht sie in zwischen in die 3. Klasse und ist mit bei den besten Schülern.

    Ich selber habe meinen ältesten (September 04 geboren) damals sogar zurück stellen lassen, er ist jetzt zwar einer der ältesten in der Klasse aber ich finde das selber nicht schlimm. Er hatte anfangs sprich die ersten 1,5 jahre immer wieder damit zu kämpfen sich in die Klasse ein zu bringen da er selber eher schüchtern und zurück haltend ist was Freunde finden angeht. Das erste Schuljahr war für ihn auch nicht einfach, die Lehrerin war mit der Klasse voll überfordert da es viele Rabauken gab die sie mehr forderten wie ein Kind das eher ruhig war. Dazu kam das wir selber auch nicht merkten das er eine Sehschwäche hat und aus diesem Grund schnell unkonzentriert war. Nun hat er eine Brille kommt weitest gehent mit was den Unterricht betrifft klar es könnte besser sein aber ich bereue den entschluss nicht ihm 1 Jahr mehr Kindheit geschenkt zu haben.

    Meine Tochter kam dieses Jahr in die Schule, sie wurde im April 6 und da muss ich sagen gibt es bis jetzt keine Probleme sie ist eine der schnelleren in der Klasse und freut sich auf jeden neuen Tag in der Schule, lernen macht ihr gar keine Probleme und sie ist mit Feuereifer dabei,
    meinen grossen muss ich immer wieder zum lernen anhalten was mich oft viel Nerven kostet,

    Mein kleinster wird jetzt 4 und und zählt schon die Tage wann es so weit ist das er zur schule kann, bei ihm sehe ich da auch keine Probleme da er im Januar geboren ist und so im September schon 6 3/4 ist.

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    1. Nachdem ich nun noch einmal mit unserem Erzieher gesprochen habe steht mein Entschluss fest.
      Julian darf noch ein Jahr im Kiga bleiben. Er ist zwar durchaus schulreif, aber emotional ist er einfach noch nicht gefestigt genug und ich denke da tut ihm das Jahr echt gut.

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