Montag, 8. Februar 2016

Plötzlich wieder Zeit für mich

Hallo Ihr Lieben,

heute kommt einmal kein Testbericht, sondern einfach ein Bericht über das Leben und wie es sich so ändert.

Wie die meisten meiner Leser sicher wissen habe ich zwei Jungs. Der Große ist im Dezember 10 geworden und der Kleine ist 7. Seit über 5 1/2 Jahren bin ich mit den beiden alleine und das läuft eigentlich alles recht gut. Das liegt auch daran, dass ich mich auf die Unterstützung meiner Eltern meistens verlassen kann. Die Großeltern passen gerne mal auf meine beiden Mäuse auf wenn ich einen Termin habe, oder auch mal mit Freundinnen weg gehen möchte.

Trotzdem hatte ich persönlich häufig das Gefühl dass ich irgendwie nur noch Mutter bin und gar nicht richtig Zeit für mich habe. Vor 2 Jahren war das besonders schlimm. Da war ich nervlich ziemlich am Ende. Timo hat die Diagnose erhalten dass er ADS hat und hatte ziemliche Probleme in der Schule. Wir sind von einem Termin zum nächsten gehetzt, dazwischen haben wir uns stundenlang mit den Hausaufgaben abgemüht und ich hatte kaum Zeit zum Verschnaufen.

Zusammen mit der Lehrerin und seinem Therapeuten habe ich dann beschlossen dass es für ihn wahrscheinlich sinnvoll ist die zweite Klasse zu wiederholen und was soll ich sagen? Das war genau die richtige Entscheidung. Inzwischen ist er in der dritten Klasse und es läuft in der Schule sehr gut. Er hat zwar auch jetzt noch immer wieder Konzentrationsprobleme, aber die sind nicht annähernd vergleichbar mit der Zeit vor zwei Jahren. Ich bin sehr stolz auf meinen Großen und wie er sich gemacht hat. Das alles haben wir ohne Medikamente geschafft und das macht mich umso stolzer.

Aber eigentlich wollte ich euch ja berichten dass man als Mama schon komisch aus der Wäsche schaut wenn man einfach plötzlich wieder mehr Zeit für sich hat.

Mit der Geburt eines Kindes verändert sich das komplette Leben. Plötzlich bin da nicht nur ich, sondern noch ein kleines Wesen, dass für mich immer an erster Stelle kommt. Der Tagesablauf wird vom Kind bestimmt und Ansichten zum Leben werden neu überdacht. Auch wenn die Kinder schon etwas größer sind bestimmen sie weitestgehend noch den Tagesablauf. Nach der Schule wird gegessen, Hausaufgaben gemacht, es gibt Termine und dann bringt man seine Kinder noch zu Freunden zum Spielen. Irgendwas ist immer und nebenbei erledigt man noch seinen Job und die Hausarbeit. Zeit für sich selbst bleibt da meistens auf der Strecke.

In den letzten Wochen ist mir aufgefallen, dass das bei uns plötzlich anders ist. Unser Tagesablauf sieht folgendermaßen aus:

Um 6:25 klingelt mein Wecker. Ich stehe auf, wecke meine Kinder, mache mich fertig, frühstücke, mache die Brotzeiten für meine Kinder und schalte evtl. noch schnell die Spül- oder Waschmaschine an. Um 7:30 Uhr verlassen wir das Haus. Die Jungs gehen in die Schule und ich auf die Arbeit. Ich arbeite jeden Tag bis 13 Uhr. Der Große hat sowieso bis 13:10 Uhr Schule. Das ist also kein Problem. Der Kleine kommt an den Tagen an denen er früher aus hat zu mir auf die Arbeit, setzt sich dort an einen Schreibtisch und macht Hausaufgaben. Das ist natürlich ein Luxus den sicher die wenigsten berufstätigen Mütter haben und ich bin auch sehr dankbar dafür. Wenn ich Feierabend habe laufen wir zur Schule und sammeln dort den Großen ein. Bis wir nach Hause kommen ist es, je nachdem ob wir mit dem Fahrrad fahren oder laufen zwischen 13:30 und 14 Uhr.
Wir essen dann zusammen zu Mittag und während ich mich um den Haushalt kümmere machen die Jungs ihre Hausaufgaben. Als die Jungs noch kleiner waren kamen dann eben diverse Nachmittagsaktivitäten bei denen ich immer dabei war. Das hat sich inzwischen wie gesagt aber ziemlich verändert.

Seit einigen Wochen läuft es häufig so dass meine Jungs entweder Freunde zu Besuch haben, oder selbst bei Freunden zu Besuch sind. Vorletzte Woche hatten wir Montag, Mittwoch und Donnerstag Besuch. Am Dienstag waren meine Kinder zusammen bei Freunden. Da die Kinder inzwischen schon größer sind gehen sie alleine zu den Freunden und kommen selbständig wieder nach Hause. Auch wenn Besuch da ist werde ich nicht gebraucht. Ganz im Gegenteil. Wenn ich mich ins Wohnzimmer setze werde ich schief angeschaut und gefragt ob irgendwas ist. Vor kurzem stand ich dann da und dachte mir "was mache ich jetzt?"

Ich gebe zu, ich war im ersten Moment etwas ratlos. Soviel freie Zeit bin ich gar nicht mehr gewohnt. Und irgendwann ist dann auch der ganze Haushalt erledigt. Da kann man sich glatt sogar einmal mitten am Tag hinsetzen und ein Buch in die Hand nehmen. Meine Ratlosigkeit hat wenn ich ehrlich bin nur recht kurz gedauert, denn irgendwas ist ja immer zu tun. So wollte ich schon länger mal einige Spielsachen die meine Kinder nicht mehr brauchen bei ebay einstellen, man hat auch endlich mal Zeit wieder auszumisten, umzuräumen, im Frühling werde ich die Gelegenheit nutzen und Fenster putzen, usw.

Als ich meiner Freundin sagte, dass ich plötzlich so viel Zeit habe hat sie mich gefragt ob ich sie neidisch machen will. Ihre beiden Kinder sind mit 7 und fast 5 noch etwas kleiner. Ich hoffe dass ihr das jetzt nicht auch denkt. Mit dem Bericht wollte ich einfach allen Eltern mut machen, dass es auch wieder ruhiger wird. Vor allem wenn man kleine Kinder hat hat man oft das Gefühl dass das eigene Leben gar nichts mehr zählt und man einfach immer weiter sein Leben nach den Kindern richtet. Das stimmt nicht. Es wird, was die Zeit angeht auch wieder besser, je älter die Kinder werden.

Auch wenn ich als Mutter ein bisschen traurig bin, dass meine Kinder mich nicht mehr so brauchen, bin ich doch auch stolz, dass sie schon so selbständig sind und ihr eigenes Leben zumindest teilweise beginnen, indem sie sich mit Freunden verabreden und auch alleine dort hin, oder auf den Spielplatz gehen. Ich habe mir gedanklich schon eine Liste gemacht was ich alles in nächster Zeit erledigen möchte und freue mich darauf endlich mal Dinge erledigen zu können die sonst immer wieder verschoben werden mussten.

Das Leben ändert sich fortlaufend und ich bin zum Glück sehr flexibel und passe mich geänderten Gegebenheiten sehr schnell an. Bin schon gespannt ob das Wort "Langeweile" in ein paar Jahren wieder zu meinem Wortschatz gehört.

Kommentare:

  1. Hallo Manu,

    Ich finde es schön das es so gut bei dir läuft und du nun auch mal Zeit für dich hast. Ja man merkt das die Kinder groß werden. Meine sind 6/8/11 gehen auch zu Freunden, wo bei ich sie teilweise fahren muss da es bis zu 10 km sind. Aber ich nach das gerne. Montags gehen meine drei gemeinsam in jungschar dort wird gebastelt,gebacken gespielt usw es macht allen drei viel Spaß. Dazu geht der große jeden Freitag ins Judo und Leonie jeden Dienstag ins turnen, diese Zeit nutze ich dann oft mit nico.

    Aber man merkt einfach man gewinnt mehr Zeit für sich und ganz ehrlich ich kann es mir nicht vorstellen nochmal ein baby zu bekommen dafür genieße ich die freie Zeit zu sehr.

    LG Kathrin

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    1. Hallo Kathrin,

      ich denke so wie uns geht es vielen. Man hat sein Leben jahrelang nach den Kindern gerichtet. Da freut man sich wenn man auch ein Stück weit wieder sein eigenes Leben führen darf.
      Nochmal was kleines käme für mich absolut nicht in Frage. So sehr ich meine beiden Jungs liebe. Ich freue mich auch auf die Zeit wenn sie ihr eigenes Leben führen und ich mich wieder hauptsächlich um mich und meine Bedürfnisse kümmern kann. Mein Leben ist ja schließlich auch noch da.

      LG Manu

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