Dienstag, 29. März 2016

Fast 6 Jahre alleinerziehend

Hallo Ihr Lieben,

wie ihr ja wisst, bin ich seit August 2010 mit meinen beiden Jungs alleine.

In meinem Bekanntenkreis wissen das alle und da ist das auch gar kein Thema mehr. Wenn ich jedoch neue Leute kennen lerne muss ich immer wieder feststellen, dass man als Alleinerziehende schräg von der Seite angeschaut wird. Von Mitleid bis hin zu Bewunderung ist da alles dabei.

Ich frage mich nur - WARUM!

Ich bin alleinerziehend, weil ich mich von meinem Mann getrennt habe. Es ging einfach nicht mehr und für mich persönlich war es die absolut richtige Entscheidung, die ich in den letzten 6 Jahren kein einziges mal bereut habe.

Mitleid!

Ich brauche kein Mitleid! Mir geht es gut so wie es ist. Alleinerziehend zu sein hat auch durchaus seine Vorteile. Seit letztem Jahr habe ich für meine beiden Kinder das alleinige Sorgerecht. Das hat der Papa freiwillig abgegeben. Nur für den Fall dass jetzt einige den Kopf schütteln und denken ich gehöre zu den garstigen Frauen, die versuchen ihre Exmänner von den Kindern fern zu halten. Das ist absolut nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Ich nerve meinen Exmann ständig damit, dass er die Jungs ruhig mal öfter nehmen könnte. Aber ihm reichen die 24 Stunden alle 2 Wochen scheinbar völlig aus. Er hat weder an Feiertagen, noch an langen Wochenenden, noch in den Ferien den Wunsch seine Söhne zu sehen. Sehr schade für die Kinder, aber ich habe mich inzwischen damit abgefunden.
Zurück zu den Vorteilen. Alle Entscheidungen, egal ob große oder kleine, kann ich alleine treffen. Ich muss mit niemandem Rücksprache halten. Es gibt keine Streitereien wegen der Kindererziehung oder sonstigem. Alles viel entspannter.

Wenn jemand mit mir Mitleid hat setzt das ja voraus dass es mir nicht gut geht, oder der andere das zumindest denkt. Das ist wie gesagt nicht so. Mein Leben ist gut durchorganisiert, ich habe viele soziale Kontakte, meine Eltern springen öfter mal als Kindersitter ein und ich habe auch Freunde und Bekannte die einspringen würden wenn es notwendig werden sollte.
Freunde treffen klappt auch immer irgendwie. Entweder die Freunde haben selbst Kinder und man trifft sich eben auf dem Spielplatz, im Schwimmbad oder in der Eisdiele. Da sind die Kinder beschäftigt und man kann sich unterhalten. Freundinnen die keine Kinder haben sind meistens flexibler und können auch abends mal zu mir kommen. Das klappt inzwischen sehr gut, auch wenn es am Anfang nicht so einfach war. Ich kann jedoch jeder alleinerziehenden nur empfehlen sich mindestens 1 Freundin zu suchen, die keine Kinder hat und spontan ist.
Sicher sehe ich einige Freundinnen nicht mehr so häufig wie früher. Aber man kann ja auch telefonieren und genießt die Treffen dann umso mehr.

Bewunderung!

Es ist ja ganz schön wenn einem mal jemand auf die Schulter klopft und sagt: "Mensch, ich bewundere wie du das alles machst, und dann auch noch alleine." Aber mal ehrlich. Ich kenne auch viele Frauen die verheiratet sind, einen Partner haben und trotzdem viel allein leisten müssen, weil der Mann weiter weg arbeitet und nicht jeden Abend nach Hause kommt. Denen klopft doch auch niemand auf die Schulter und sagt: "Meine liebe Jasmin, ich bewundere dich dafür, dass du Arbeit, 2 Kinder, das Haus und den Garten im Griff hast. Dein Mann ist öfter mal nicht zu Hause oder kommt erst spät heim. Du leistest wirklich viel!"

Sicher, hat man als alleinerziehende nicht so oft die Möglichkeit die Kinder mal einfach dem Mann aufs Auge zu drücken, aber das war bei mir schon vorher nicht so. Und ich kenne auch nicht viele Familien bei denen der Mann der Frau das ganze Wochenende die Kinder abnimmt. Den Vorteil habe ich als alleinerziehende schon. Bei uns ist es zwar kein ganzes Wochenende, sondern alle 2 Wochen mal von Samstag Abend 18 Uhr bis Sonntag Abend 18 Uhr, aber immerhin habe ich 24 Stunden lang kinderfreie Bude. Welche Mama die in einer "normalen" Familie lebt hat diesen Luxus schon.


Ich finde es wie gesagt schön, wenn mir jemand sagt, dass ich das super mache, aber schmälert eine Mutter nicht ihre eigene Leistung wenn sie mich lobt, nur weil kein Mann im Haus ist? Bin ich als Frau ohne Partner in manchen Augen nicht überlebensfähig? Das gibt mir echt zu denken.
Okay, vielleicht stehe ich mit meiner Meinung da auch ziemlich alleine da. Bestimmt gibt es auch Frauen die immer hören wollen, was sie doch alles so toll leisten. Ich bin da nicht so. 

Vorurteile!

Alleinerziehende haben auch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Das geht schon los wenn die Trennung bekannt wird. So hat mich damals zum Beispiel eine ältere Dame die bei uns in der Nähe wohnt gefragt, ob mein Mann eine andere hat. Es gibt 1.000 Gründe warum sich ein Paar trennt. Da muss nicht immer eine andere Frau, oder ein anderer Mann dahinter stecken. Die Gründe gehen aber auch nicht jeden was an und meine Familie ware genauso wenig über die Trennung erstaunt, wie mein engerer Freundeskreis.

Ein ganz schlimmes Problem finde ich auch immer, dass viele Leute aufkommende Probleme darauf zurückführen, dass man alleinerziehend ist. Hat das Kind einer alleinerziehenden Mutter Probleme heißt es immer gleich: "Na klar, da fehlt der Mann im Haus.", oder "Das musste ja so kommen, ist ja nur die Mutter da." Und wenn ein Kind aus einer "normalen" Familie die selben Probleme hat, dann liegt es natürlich an was ganz anderem. In welchem Jahrhundert leben wir denn bitte? Wer sagt, dass man alleine nicht auch seine Kinder groß ziehen kann. Ich boxe mit meinen beiden Jungs (und hab davon öfter mal blaue Flecken). Wir reparieren zusammen die Fahrräder, gehen in den Wald und schnitzen Holz. Warum kann ich das schlechter als ein Mann? Wer bestimmt das?

Nachteile!

Ich möchte nicht behaupten, dass das Leben als alleinerziehende immer ein Zuckerschlecken ist. Sicher gibt es auch einige Nachteile die einem das Leben erschweren.

Ein Nachteil als alleinerziehende ist natürlich, dass man in seiner Freizeitplanung nicht ganz so flexibel ist. Ich muss mit 36 meine Eltern fragen, ob ich abends mal weg gehen kann. Schon ein komisches Gefühl. Andererseits geht es verheirateten Eltern ja genauso wenn diese mal zusammen etwas unternehmen möchten. Ist also eigentlich mehr ein Elternproblem. Meine Eltern wohnen zum Glück nicht weit weg und lieben ihre Enkel über alles. Sie versuchen mich wo es nur geht zu unterstützen. So haben wir z. B. vor 3 Jahren oder so den Großelternfreitag eingeführt. Meine beiden Söhne gehen jeden Freitag nach der Schule zu meinen Eltern. So habe ich den Freitag Nachmittag für mich. Da kann ich dann mal liegen gebliebene Arbeiten erledigen, in Ruhe einkaufen, oder einfach mal ausspannen. Freitag Abend gehe ich dann immer noch mit einer Freundin zum Schwimmen und wenn ich heim komme sind meine Kinder in ihren Betten und meine Eltern passen auf sie auf.

Als alleinerziehende hat man wahrscheinlich auch mehr Geldsorgen als wenn man die finanziellen Alltagsbelastungen zusammen meistert. Ich habe bei der Trennung damals das Haus übernommen. Das sind natürlich ganz schöne Kosten, aber da ich sehr sparsam bin kommen wir recht gut zurecht und können uns ab und zu auch mal ein paar Extras leisten. Auch wenn der Unterhalt für die beiden Kinder mal wieder unregelmäßig kommt oder geringer ausfällt als er sollte. Mit meinem Gehalt kann ich das recht gut abfangen.
Und auch die Geldsorgen sind nicht unbedingt ein Problem das nur alleinerziehende kennen. Ich kenne auch viele Paare bei denen beide arbeiten, das Geld am Monatsende aber trotzdem knapp ist.

Ich kann mir die Verantwortung für meine Kinder auch mit niemandem Teilen. Das ist jedoch sicher nicht bei allen alleinerziehenden so. Ich kenne viele, die zwar kein Paar mehr sind, aber sich dennoch die Verantwortung als Eltern teilen. Nur weil man kein Paar mehr ist heißt das ja nicht, dass einer kein Elternteil mehr ist. Ich finde es schön, wenn es die Eltern schaffen trotz der Trennung noch am gleichen Strang zu ziehen und bei vielen getrennt lebend Paaren bei uns im Bekanntenkreis klappt das auch sehr gut und da wird sich eben auch die Verantwortung und die Erziehung geteilt. Das ist bei mir leider nicht so. Ich entscheide alles alleine, von Kleinigkeiten wie z. B. ob die Kinder irgendwelche Kurse machen sollen, bzw. dürfen bis hin zur Entscheidung ob mein ADS-Kind Ritalin bekommt oder nicht. In vielen Fällen ist das anstrengend, aber vielleicht ist es auch manchmal besser so. Ich erspare mir Diskussionen. Was ich entscheide wird gemacht und da kann mir keiner rein reden. Timo bekommt übrigens kein Ritalin. Ich habe mich dagegen entschieden und wie sich herausstellte war diese Entscheidung die richtige. Es läuft mit ihm momentan sehr gut, auch ohne dass mein Kind völlig zugedröhnt ist.

Manchmal habe ich das Gefühl dass mir alles über den Kopf wächst und ich fühle mich schon leicht überfordert. Musste ich auch jetzt in den Osterferien wieder feststellen. Irgendwie habe ich zu viel Animationsprogramm geplant und die Entspannung ist ziemlich auf der Strecke geblieben. In den Pfingstferien werde ich das auf jeden Fall wieder anders machen. Entspannung ist für mich, wie ich festgestellt habe, sowieso sehr wichtig. Wenn ich mir meine Freiräume schaffe und mir auch mal kleine Auszeiten nehme, bin ich viel ausgeglichener und bei uns läuft alles rund. Das muss nichts großes sein. Einfach mal mit einer Freundin frühstücken gehen, den PC aus lassen und mich mit einem Buch ins Bett kuscheln, das reicht meistens schon. Da bleibt dann eben mal die Wäsche einen Tag liegen. Macht nichts, die läuft nicht weg.

Natürlich frage ich mich manchmal, ob es für meine Kinder besser wäre, wenn sie neben meinem Vater noch eine männliche Bezugsperson hätten. Gerade für Jungs soll das ja angeblich sehr wichtig sein. Ihr Vater ist wie gesagt nicht so viel präsent und wenn die Kinder bei ihm sind parkt er sie lieber vor dem Fernsehr oder Computer als sich mit ihnen zu beschäftigen. Ob es schlecht für meine Kinder ist, dass keine männliche Bezugsperson immer greifbar ist, werde ich wahrscheinlich erst viel später, oder gar nicht erfahren. Das muss ich wohl auf mich zukommen lassen.

Ich werde öfter gefragt ob ich mich nicht einsam fühle und die Zweisamkeit einer Partnerschaft vermisse. Wenn ich ehrlich bin tue ich das nicht. Abends wenn die Kinder im Bett sind genieße ich die Ruhe. Ich lese, schaue fern, telefoniere mit ner Freundin oder schreibe über Whats App. Meistens bin ich ganz froh dass da nicht noch jemand ist, der dann auch noch Zeit einfordert. Mit Kindern ist man nicht wirklich viel alleine. Es ist ja fast den ganzen Tag jemand um einen rum. Mit meinen Freundinnen quatsche ich über alles mögliche und das tut sehr gut. Einmal im Monat treffe ich mich mit ein paar anderen Mamas zum Stammtisch und diese Abende genieße ich immer sehr. Wenn man ein gutes soziales Netzwerk hat kann man durchaus auch glücklicher Single sein.
Wenn meine Kinder größer sind kann ich mir durchaus vorstellen mich wieder auf einen Partner einzulassen, aber im Moment wäre mir eine aktive Suche schon viel zu anstrengend. Das lasse ich auf mich zukommen.

Zusammenfassung:

Alles in allem geht es mir sehr gut und ich denke auch dass meine Kinder nichts vermissen. Wir unternehmen viel zusammen, gehen auf den Spielplatz, ins Schwimmbad, in Freizeitparks, in den Wald, machen Ausflüge mit dem Fahrrad. Alles was auch Kinder mit beiden Elternteilen machen. Der einzige Unterschied bei uns liegt darin, dass eben der Papa nicht mit dabei ist. Wobei bei der klassischen Familie der Papa ja auch nur am Wochenende oder in den Ferien mal bei der Freizeitgestaltung aktiv teilnimmt. So viel Unterschied ist da also gar nicht.

Ich denke, jeder hat im Leben seine eigenen Probleme. Die einen größere, die anderen kleinere und was der eine als großes Problem empfindet wäre für den anderen eine Kleinigkeit. So muss ich z. B. manchmal milde lächeln, wenn mich jemand fragt wie ich das alles ohne Mann schaffe, da der Partner vielleicht gerade mal nicht da ist und sie zum ersten mal die Kinder alleine ins Bett bringen muss. Aber was soll ich sagen? Man wächst mit seinen Aufgaben. Ich denke da nicht groß drüber nach sondern mache einfach. Vielleicht nicht immer optimal, aber ich tue immer mein bestes. Meine beste Freundin und ich mussten schon vor Jahren häufiger mit dem Kopf schütteln, weil es Leute gibt, die einen verwundert anschauen wenn man sagt, dass man mit 2 Kleinkindern alleine ins Schwimmbad geht. Für die ist das undenkbar. Da muss unbedingt der Mann mit. Alleine? Viel zu anstrengend. Das kenne ich bei mir im Bekanntenkreis ehr weniger. Aber das ist, denke ich,  eine Charaktersache. Und ich akzeptiere das auch. Jeder soll es so machen wie es für ihn richtig ist. Auch ich hatte schon Bauchgrummeln, als ich vor 5 Jahren mit meinen beiden Kindern zum ersten mal alleine mit dem Zug in Urlaub gefahren bin. Nur dass ich mich davon eben nicht abhalten lasse. Ich bin da ehr der Machertyp und fahre bis jetzt damit ganz gut.

Ich habe jetzt nur aus Sicht einer alleinerziehenden Mama berichtet. Es gibt ja auch alleinerziehende Papas und ich vermute einmal, dass es denen nicht viel anders geht als mir. Sicher haben sie genauso mit Mitleid und Vorurteilen zu kämpfen. Das brauchen wir alleinerziehenden jedoch nicht.

Wichtig ist, dass von unserer Umwelt unsere Familienform, warum auch immer sie existiert, akzeptiert wird. Wer das nicht kann, hat in unserem Leben eben keinen Platz. Aber alles in allem habe ich sehr positive Erfahrungen gemacht, im Freundes- und Bekanntenkreis ebenso wie mit den Erziehern, Lehrern oder Therapeuten.

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich war auch viele Jahre allein mit meinem Sohn und mir ging es damit auch ganz gut. Ich wollte in der Zeit auch keinen neuen Partner haben. Was will man auch machen, wenn der Vater des Kindes stirbt, ist man zwangsläufig alleine. Als mein Sohn fast 18 war, habe ich dann meinen jetzigen Partner kennen gelernt. Darum geht es auch gar nicht, sondern um das " Drum herum," ob das stimmt und ob die Kinder mit Oma und Opa, Freunden und Bekannten Kontakt haben, finde ich sehr wichtig. Das brauchen sie für ihre Entwicklung. Allerdings konnte ich den männlichen Part anscheinend nicht so ganz ersetzen, obwohl ich mir auch Mühe gegeben habe. Ich merke ihm das schon an, das da irgendwas gefehlt hat. Er würde mir das aber nie sagen, weil er mich nicht traurig machen will.
    Ich glaube, du machst das sehr gut. Deine Kinder haben dich und ihre Großeltern, sowie Freunde und Bekannte. Das haben nicht alle Kinder, auch die mit Vater.
    LG Maria Tris

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Maria,
      ich befürchte auch dass gerade Jungs schon eine männliche Bezugsperson brauchen. Man kann nur hoffen, dass es sich nicht allzu negativ auf ihre Entwicklung auswirkt. Das wird sich wie gesagt wahrscheinlich erst später heraus stellen.

      Aber ich tue mein bestes und genieße die Zeit mit meinen beiden Jungs.

      LG
      Manu

      Löschen