Montag, 9. Mai 2016

Bin ich zu streng?

Hallo Ihr Lieben,

Kindererziehung ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Jeder der Kinder hat kennt sicher diese Situationen in denen man nicht weiß was man tun soll, man fühlt sich überfordert, überlegt welche Entscheidung die richtige ist.

Ich treffe ja schon seit einigen Jahren alle Erziehungsfragen alleine. Das bekomme ich denke ich, auch sehr gut hin. Erst vor kurzem waren meine beiden Jungs zusammen bei einem Freund von Julian zu Besuch. Als ich sie wieder abgeholt habe hat mir die Mutter des Freundes gesagt dass meine Kinder beide "sehr gut erzogen und äußerst höflich" sind. Das ist nicht das erste mal dass ich zu hören bekomme dass meine beiden Jungs gut erzogen sind. Haben mir auch schon wildfremde Menschen gesagt. Als Mutter macht mich das natürlich sehr stolz und es zeigt mir dass ich scheinbar vieles richtig mache. So werde ich z. B. nicht müde meine beiden Kinder darauf hinzuweisen dass man "bitte" und "danke" in vielen Situationen sagen kann. Nicht nur wenn man etwas möchte oder bekommt, sondern auch wenn einem ein Fußgänger auf dem Gehweg Platz macht, weil man als 7jähriger mit dem Fahrrad ebenfalls den Gehsteig nutzt und schneller als der Fußgänger ist. 

Es gibt aber auch viele Momente in denen ich mich frage ob ich nicht manchmal zu streng bin.

Vor allem wenn ich mich mit anderen Eltern vergleiche mache ich mir da öfter so meine Gedanken. Gut, man soll sich ja nicht mit anderen Eltern vergleichen, aber wer von uns macht das nicht ab und an mal? Wobei ich mich bei vielen Familien wirklich frage wer denn hier die Entscheidungen trifft. Die Kinder, oder die Eltern.


Wofür gibt es Regeln wenn sie nicht eingehalten werden?


Es gibt immer wieder Momente in denen ich über andere Eltern den Kopf schütteln muss.

Wofür gibt es zum Beispiel FSK wenn sich so viele Eltern nicht drum kümmern? Ich weiß durchaus dass z. B. bei einem Film mit FSK 12 schon Kinder ab 6 Jahren ins Kino dürfen. Nur muss ein 9jähriger wirklich Filme wie Star Wars anschauen? Vielleicht bin ich da einfach zu streng, aber ich finde das ist nichts für Kinder. Ich verstehe auch nicht wie es sein kann, dass Kinder die erst 10 Jahre alt sind um 20 Uhr in eine Kinoverstellung gehen. Zwar mit den Eltern, aber muss das sein bei einem Film der bis 23 Uhr dauert? Sicher ist es auch vom Kind abhängig ob es für einen Film schon reif genug ist und vielleicht waren die Jungs die da in der Spätvorstellung saßen ja eh kleine Nachteulen. Gedanken mache ich mir da aber schon. Schließlich sehe ich bei uns im Bekanntenkreis was passieren kann wenn Eltern ihre Kinder nicht im Griff haben und ihnen alles durchgehen lassen. Aggressive, ständig lügende 10jährige, die dafür sorgen dass sich andere Kinder nicht nur unwohl in ihrer Gegenwart fühlen, sondern sogar vor ihren Angst haben sind meiner Meinung nach ein Problem welches mit zunehmendem Alter der Kinder ehr schlechter als besser wird wenn die Eltern da nicht eingreifen. Und es kommt ja auch nicht von irgendwo wenn ein 10jähriger zu seinen Kumpels sagt: "Ich kill deine ganze Familie!" Der ist wohl ehr noch nicht reif genug für Kriegsfilme.

Ich finde es auch unverantwortlich wenn Kinder alleine mit dem Fahrrad unterwegs sind. Bei uns fahren schon 8jährige alleine mit dem Rad in die Schule. Obwohl schon bei den Elternabenden gesagt wird, dass die Kinder das nicht sollen achten viele Eltern nicht darauf. Dazu sollte ich vielleicht sagen dass ich in einer mittelgroßen Stadt und nicht auf dem Land wohne. Mir wird ganz oft schlecht, wenn ich sehe, wie die Kinder ohne vorher zu schauen einfach über die Straße fahren weil sie den Umweg über die 10 Meter entfernte Ampel nicht machen möchten. Warum auch? Viele der Eltern machen es ja nicht anders. Man kann häufig beobachten, wie Eltern mit ihren Kindern 20 oder 30 Meter von der Ampel entfernt die Straße überqueren. Ist es wirklich so schlimm einen kleinen Umweg zu laufen? Vor allem wenn an der Ampel ein Schulwegshelfer steht. Der absolute Knaller ist jedoch, wenn Leute aus dem Kindergarten kommen, die Straße dort direkt mit ihrem Kind überqueren und dann die Straße vor und an der Ampel vorbei laufen. Könnte ja passieren dass die rot ist und man dort 2 Minuten warten muss. In der Straße in der meine Eltern wohnen gibt es nur auf einer Straßenseite einen Gehsteig. Da kann man Eltern beobachten die mit ihren Kindern auf der Seite ohne Gehsteig laufen. Was soll das? Das ist absolut verantwortungslos! Wenn die Kinder es nicht beigebracht bekommen, machen sie soetwas auch wenn sie alleine unterwegs sind und wenn dann etwas passiert sind die Auotfahrer schuld.

Meine Kinder und ich fahren zusammen jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule. Die Kinder auf dem Gehsteig, ich nebenher auf der Straße. Ich erkläre ihnen unterwegs Verkehrsschilder und in ruhigen Seitenstraßen lasse ich sie auch mal das korrekte abbiegen üben - Handzeichen geben, über die Schulter schauen, einfädeln, nochmal schauen und dann abbiegen. Und obwohl wir so viel mit dem Rad unterwegs sind und das üben, klappt das leider nur in den seltensten Fällen einwandfrei.
An Tagen an denen ich nicht mit zur Schule gehe laufen meine beiden Kinder. Sie dürfen nicht alleine mit dem Fahrrad fahren. In der vierten Klasse machen die Schüler bei uns über die Schule ihre Fahrradprüfung. Erst dann sollte man sie auf der Straße fahren lassen. Wenn ich sehe wie unkoordiniert die meisten sind ist das auch besser so.


Konzequenz scheint auch nicht mehr so gefragt zu sein!


Ich bin in der Erziehung sehr konsequent.Wenn ich zu meinen Kindern sage, dass sie jetzt aufhören sollen und es Konsequenzen gibt wenn sie es nicht tun, dann wissen sie, dass das auch so ist. Auch wenn ich mir damit schon häufiger mal Eigentore geschossen habe. Meine Kinder kann ich leicht mit Fernsehkonsum oder Wii-Spiel-Verbot strafen. Wenn ich das Androhe und sie trotzdem nicht hören wird das auch durchgezogen, auch wenn ich dann vielleicht eine halbe Stunde lang ein heulendes und brüllendes Kind im Haus sitzen habe. Da müssen wir beide durch.

Ich lasse mich von meinen Kindern auch nicht erpressen. Das bekommt man ja häufiger mit, dass Kinder zu ihren Eltern sagen "ich mache das nur wenn ich dann das oder das darf".  Na klar, das wäre ja noch schöner. Natürlich können meine Jungs mit mir verhandeln. Da kommt es aber erstens auf den Ton an und zweitens wie sie das machen. Wenn die Jungs kommen und fragen: "Mama, dürfen wir später Wii spielen, wenn wir jetzt aufräumen?" bin ich durchaus gewillt ja zu sagen. Aber der Sohn einer Freundin hat letztens zu ihr gesagt: "Ich ziehe die Jacke nur an wenn ich mich nachmittags mit jemandem treffen darf." Sowas geht gar nicht. Und wenn man in solchen Fällen nachgibt machen es die Kinder immer wieder.

Wenn ich im Supermarkt brüllende Kinder sehe, die sich auf den Boden werfen weil sie etwas haben möchten und die verzweifelten Eltern ihnen dann geben was sie wollen ist das für mich ein absolutes Unding. So etwas hat es bei uns noch nie gegeben und so etwas wird es auch nicht geben. Wenn ich zu den Jungs sage dass sie das nicht kriegen dann wissen sie auch dass da alles bitteln und betteln nichts hilft. Aufführen geht gar nicht. Da bekommt man von mir höchstens das Gegenteil. Da ich das konsequent von Anfang an durchgezogen habe wissen das meine Kinder auch. Viele ziehen sich selbst kleine Terroristen groß indem sie ihnen nachgeben. Ich halte es da wie Amerika. Mit Terroristen wird nicht verhandelt!

Sicher muss jede Familie ihre eigenen Regeln aufstellen. Wir haben mehrere feste Regeln die konsequent eingehalten werden. Bei einigen Familien im Bekanntenkreis sehe ich jedoch dass Konsequenz nicht jedermanns Sache ist. Merkt man dann meistens auch an den Kindern.

 Wie ich es handhabe und der Vergleich mit anderen


Meine Jungs sind mit 7 und 10 nun schon etwas größer und auch recht selbständig. Sie gehen gerne einmal alleine auf den Spielplatz oder besuchen Freunde. Wenn sie das tun vereinbaren wir eine Uhrzeit wann sie sich wieder auf den Heimweg machen sollen. Im Winter ist das vor Einbruch der Dunkelheit. Wenn sie länger bleiben möchten hole ich sie ab. Im Sommer dürfen sie auch einmal bis 18 Uhr bleiben.  Das klappt sehr gut. Andere Eltern sehen das wohl lockerer als ich. Timo hat mehrere Freunde, die bis 19 Uhr unterwegs sein dürfen. Im Sommer ist das ja vielleicht noch vertretbar, aber im Winter, wenn es draußen um die Uhrzeit schon stockfinster ist möchte ich das nicht. Auch sonst finde ich 19 Uhr reichlich spät für einen 9 oder 10jährigen. Meine Jungs gehen beide um 20 Uhr ins Bett. Timo hört dann zwar manchmal noch CD oder liest etwas, aber ab 20 Uhr ist bei uns Ruhe. Wenn er bis 19 Uhr unterwegs wäre würden wir das zeitlich gar nicht schaffen.

Ein großes Thema ist auch immer wieder der Medienkonsum von Kindern. Bei uns habe ich da komplett den Deckel drauf. Sehr zum Ärger meiner Kinder. Die haben mir schon gesagt dass sie gerne bei einem Klassenkameraden von Timo einziehen wollen, weil der daheim machen darf was er will. Es ist nicht so dass meine Kinder nicht Fernseh schauen oder Tablet spielen dürfen, aber sie dürfen es eben nicht unbegrenzt und nur mit meiner Erlaubnis. Abends dürfen sie meistens etwas Fernsehen während ich das Abendesssen vorbereite. Einmal in der Woche dürfen sie auch Wii oder Tablet spielen, aber nur von mir vorher abgesegnete Spiele. Die Wii steht im Wohnzimmer, die Tablets habe ich unter Verschluss. Wenn ich die Jungs lassen würde, würden sie wahrscheinlich den ganzen Tag nur in irgendwelche viereckigen Kästen gucken. Aber ich finde es gibt so viele tolle andere Sachen die man machen kann auch ohne digitale Medien.

Bei uns gibt es auch keine Cola als Standardgetränk. Cola bekommen meine Kinder mal ein halbes Glas an ner Geburtstagsfeier oder an Silvester. Das war es dann aber auch schon. Klassenkameraden haben Cola in der Schule und Energiedrinks auf dem Spielplatz dabei. Sowas ist meiner Meinung nach unverantwortlich. Meine Kinder dürfen auch nicht einfach naschen. Sie müssen vorher fragen und auch hier achte ich darauf was und wieviel sie essen. Ist doch immer wieder lustig wenn einem Eltern erzählen, dass sie sich fragen wofür sie kochen. Die Kinder würden ja kaum was essen. Das sind dann aber die Eltern bei denen ich schon beobachten konnte, dass die Kinder einfach an den Kühlschrank oder den Naschvorrat gehen und dann mit einer Tüte Gummibärchen und einer Tüte Flips im Zimmer verschwinden. Da hätte ich dann auch keinen Hunger mehr wenn es richtiges Essen gibt.

Es werden auch immer erst die Hausaufgaben erledigt, bevor die Jungs weg gehen dürfen. Auch das sehen andere Eltern lockerer als ich. Kann auch einfach daran liegen, dass ich weiß, dass Timo Abends um 18 Uhr nicht mehr genug Konzentration aufbringen würde um die Hausaufgaben zu machen. Und ich selbst habe dann auch keine Lust mehr mich damit herum zu schlagen. Erst die Arbeit dann das Vergnügen ist mein Motto.

Ich sehe viele Sachen wie gesagt manchmal etwas strenger als andere Eltern, aber alles in allem fahre ich denke ich recht gut damit. Wie gesagt bekomme ich häufiger gesagt dass ich sehr liebe und gut erzogene Kinder habe. Die Lehrer loben meine beiden Kinder ebenfalls sehr. Das bestätigt mich in meiner Erziehung. Auch wenn sich meine Kinder immer wieder mal wegen meiner Strenge beschweren. 

Ich möchte hier niemanden verurteilen. Auch ich kenne Momente, in denen meine Nerven am Ende sind und das nachgeben umso verlockender ist, weil man sich den damit verbundenen Stress sparen möche. Man sollte jedoch denke ich die Tragweite nicht vergessen, die dieses Nachgeben hat. Wenn ich nicht Konsequent bin merken das meine Kinder. Sie merken auch schnell dass sie nur lange genug jammern oder nerven müssen um ihren Willen durchzusetzen. Wenn Kinder das einmal raus haben wird es für die Eltern sicher nicht leichter. Meine Kinder wissen, dass sie mit Gequengel das Gegenteil erreichen. 

Auch bei uns gibt es einmal Ausnahmen von den Regeln. Wenn ich krank bin, oder das Wetter über Tage hinweg schlecht ist dürfen sie auch mal länger Fernsehen oder öfter Tablet spielen. Aber die Jungs wissen dass es Ausnahmen sind und genießen die dann eben. 

Alle Eltern müssen für sich entscheiden wie sie ihre Kinder erziehen und es gibt sicher niemanden der alles richtig macht. Wir können nur versuchen unseren Kindern das beste mit auf den Weg zu geben, sie zu verantwortungsvollen und freundlichen Menschen zu erziehen. Jeder macht das auf seine eigene Art. Aber man sollte sich selbst auch immer wieder hinterfragen und vielleicht mal kleine Anpassungen vornehmen. Vielleicht sollte ich persönlich in manchen Bereichen etwas lockerer werden. Mit Kleinigkeiten habe ich bereits angefangen, denn schließlich sollen sie auch Eigenverantwortung lernen. Mal schauen wie gut das funktioniert.

Wie ist es bei euch? Gehört ihr zu den strengen Eltern, versucht ihr ein Mittelmaß zu finden, oder haben eure Kinder alle Freiräume die sie sich wünschen?
Ich denke es kommt auch immer ein wenig auf das Kind drauf an. Manche brauchen mehr Führung und eine starke Hand, andere erziehen sich praktisch selbst. Die Individualität ist ja auch etwas was das Leben interessanter macht.  

Mit diesem Artikel möchte ich niemanden angreifen. Wenn ich eines gelernt habe in den letzten Jahren, dann ist das sicher, dass man niemanden verurteilen sollte. Schließlich kennt man in der Regel die Hintergründe nichwarum jemand das jetzt eben so macht. Wenn ich jedoch bei uns im Umfeld Kinder sehe, die zu Hause alles dürfen und sich dann leider auch dementsprechend benehmen, mache ich mir doch so meine Gedanken.

Kommentare:

  1. Ein super Artikel und ich finde mich darin wieder. Meine zwei (Zwillinge, 9 Jahre) erziehe ich ähnlich und habe noch nie im Freundes- oder Bekanntenkreis gehört, das sie ungezogen wären. Eine gewisse strenge und Regeln gehören nunmal dazu. LG Romy

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    1. Hallo Romy,

      danke für dein Feedback. Ich denke auch dass Regeln und eine gewisse Strenge wichtig sind. Schließlich möchten wir den Kindern nur das beste mit auf den Weg geben.

      Liebe Grüße
      Manu

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