Sonntag, 24. Juli 2016

Berufstätige Mütter

Hallo Ihr Lieben,

für mich stand schon in der Schwangerschaft fest, dass ich trotz Kindern weiter arbeiten werde. Es wäre gar nicht anders gegangen, da wir ja unser Häuschen gekauft haben und mein Exmann nicht zu den Großverdienern gehört hat. Trotzdem wollte ich mich erst einmal nur aufs Mama sein konzentrieren. So habe ich mit meinem Chef vereinbart dass ich ein Jahr Babypause mache und danach wieder Teilzeit das Arbeiten anfangen werde.

Ich muss ehrlich gesagt auch gestehen, dass mir ein halbes Jahr nach der Entbindung von Timo zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen ist. Lag wahrscheinlich daran dass ich in meinem Freundeskreis die einzige mit Kind war und alle anderen tagsüber arbeiten waren. Bei Julian sah die Sache anders aus. Da hat meine beste Freundin einen Monat nach mir entbunden und wir waren gleichzeitig zu Hause.

Nach einem Jahr Babypause mit Timo habe ich wieder Teilzeit gearbeitet. Zumindest bis dann Julian auf die Welt kam. Auch da habe ich mir ein Jahr Auszeit genommen und bin dann wieder arbeiten gegangen. Während den insgesamt 2 Jahren Babypause habe ich immer engen Kontakt zu meinen Kollegen und der Firma gehalten. Ich bin immer wieder mal in der Firma gewesen und habe auch einige Arbeiten erledigt, die meine Vertretung nicht machen konnte.

Inzwischen arbeite ich 22,5 Stunden in der Woche und habe zu meinen damaligen Aufgaben noch die Buchhaltung dazu bekommen. Das läuft eigentlich ganz gut. Ich arbeite in einem kleinen Familienbetrieb und habe den großen Vorteil dass meine Jungs zu mir auf die Arbeit kommen können wenn sie vor 13 Uhr aus haben. Auch wenn ich solche Vorteile genieße ist es doch häufig recht anstrengend eine berufstätige Mutter zu sein.

Klare Doppelbelastung:

Schon vor ein paar Jahren habe ich meine Mutter gefragt, ob sie eigentlich weiß wie gut sie es hatte, weil sie damals mit ihren 2 Kindern zu Hause bleiben konnte. Von Männern bekommt man häufig zu hören, dass man es ja so gut hat, weil man nur den halben Tag arbeitet. Sie sehen jedoch nicht, dass ich zwar die bezahlte Arbeit hinter mir habe, dann jedoch mein 24 Stundenjob mit 2 Kindern weiter geht. Wenn man als arbeitende Mutter nach Hause kommt ist erst einmal Mittag essen machen angesagt, danach wartet ein Wäscheberg, die volle Spülmaschine, Hausaufgaben, Verabredungen usw.

Ich finde es immer lustig, von Frauen die zu Hause sind und deren Kinder den halben Tag in der Schule oder dem Kindergarten sind, zu hören dass sie mit ihren Arbeiten kaum rum kommen. Tja, wem sagen sie das? Sie haben jeden Tag 3 - 4 Stunden in denen sie den Haushalt schmeißen können. Berufstätige Mütter müssen das irgendwie nebenbei rein quetschen. Nun habe ich das große Glück dass ich nur halbtags arbeite. Ich möchte nicht wissen wie es Frauen geht die 8 Stunden am Tag arbeiten. Vor denen zücke ich auf jeden Fall meinen Hut.
Natürlich hilft uns da zum Glück die moderne Technik etwas. Ein Hoch auf Spülmaschinen und programmierbare Waschmaschinen! Sie erleichtern die Arbeit ungemein und helfen einem effizienter zu arbeiten.

Alles geplant und plötzlich ist das Kind krank:

Ein großes Problem kennen aber sicher alle berufstätigen Mütter. Die Frage was man tun kann wenn ein Kind plötzlich krank ist. Da kann einem schon einmal der Schweiß ausbrechen. Ferien sind zwar auch immer ein Problem, die kann man jedoch einigermaßen planen, da man im Voraus weiß wann diese sind. Wenn man jedoch früh plötzlich ein kränkliches Kind vor sich hat ist das ganz anders. Ich fühle mich da immer in der Zwickmühle. Meine Eltern sind zwar meistens zu Hause, aber denen möchte ich kein krankes Kind aufs Auge drücken. Andererseits fühlt man sich auch seinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet und möchte nicht einfach der Arbeit fern bleiben. Bei mir als Buchhalterin eh ein schwieriges Thema, weil ich auch noch auf den Kalender gucken muss ob etwas wichtiges anliegt, was an dem Tag dringend erledigt werden muss. Dann ist da natürlich noch der kleine Wurm, dem es schlecht geht und der am liebsten bei seiner Mama bleiben möchte. Und zusätzlich hat man noch im Hinterkopf, dass man, wenn man zu Hause bleibt weil das Kind krank ist, ja nur Krankengeld bekommt und sich das dann finanziell auch noch bemerkbar macht. Bis jetzt musste ich zum Glück noch nicht oft und wenn dann immer nur kurz zu Hause bleiben. Häufig habe ich dann Überstunden abgefeiert, um keine finanziellen Einbußen zu haben. Als Julian noch kleiner war, bin ich mit ihm auch schon einmal, dick eingepackt im Kinderwagen, in die Arbeit und habe dort schnell die wichtigsten Sachen erledigt. Sicher nicht der Idealzustand, aber was soll man machen? Es wird sicher auch nicht passieren, dass eines meiner Kinder wegen einem Schnupfen zu Hause bleibt. Das kann ich mir nicht erlauben. Nur wenn einer meiner Söhne Fieber hat und wirklich einen sehr kranken Eindruck macht bleibe ich mit ihm zu Hause.

Schlechtes Gewissen:

Zum Glück gehöre ich selbst zu den Menschen die nicht sehr häufig krank werden. Ich bin eine Angestellte die kaum Fehlzeiten hat. So kann es mein Chef sicher auch besser verkraften wenn ich mal wegen der Kinder zu Hause bleiben muss.
Das schlechte Gewissen bleibt aber - den Kindern, dem Arbeitgeber oder den Großeltern gebenüber. Da hatten es die Frauen vor vielen Jahren doch um einiges leichter. Wer Kinder hatte ist zu Hause geblieben und hat sich um die Kinder und das Haus gekümmert. Heutzutage sind Mütter, die nicht berufstätig sind ja ehr zur Seltenheit geworden. Bei den meisten Müttern die ich kenne hat die Entscheidung jedoch nichts damit zu tun dass sie Karriere machen möchten. Es ist ein rein finanzieller Aspekt. Die meisten haben ein Haus abzubezahlen und sind auf zwei Verdienste angewiesen.

Auch die Schule kann berufstätigen Eltern ganz schön einen Strich durch die Rechnung machen. So hatten wir z. B. vorletzten Freitag Schulfest. An sich eine ganz tolle Sache. Leider fand es von 11 - 15 Uhr statt. Ich habe dem Direktor schon einen Brief geschrieben und hoffe, dass sich auch andere Eltern beschwert haben, damit beim nächsten mal vielleicht eine bessere Uhrzeit gewählt wird. Viele befreundete Mütter kamen später zum Schulfest oder in ihrer Mittagspause. Ich persönlich habe mir die Freiheit genommen einen Tag frei zu nehmen. Dieses Jahr kein Problem, da ich ja durch die Kur in den Sommerferien kaum Urlaub brauche und auch einige Überstunden habe. Aber es kann sicher nicht jeder nur wegen einer Schulveranstaltung mal einen Tag frei nehmen. Diesen Freitag dann ein ähnliches Spiel. Die Lehrerin von Timo hat angeboten dass die Kinder von Donnerstag auf Freitag in der Schule schlafen können und dann war am Freitag früh um 8 Uhr ein gemeinsames Frühstück geplant. Eltern die Zeit hatten konnten auch kommen und um 10 Uhr sollte dann Schulschluss sein. Die Kinder konnten zwar notfalls betreut werden, aber dass das ehr schlecht als recht funktioniert und die Kinder dann einfach irgendwo in eine andere Klasse gesetzt werden und nicht einmal ein Blatt zur Beschäftigung bekommen, weiß ich aus Erfahrung. Ich habe mir also auch diesen Freitag frei genommen. Den hatte ich eh schon eingetragen. Eigentlich wollte ich mit einer Freundin frühstücken gehen, weil ich diese Woche Geburtstag hatte, aber das wurde leider nichts.

Ich mag meinen Job und liebe auch die Abwechslung die er mir zum Muttersein bringt. Aber ab und zu wünsche ich mir nicht arbeiten zu müssen. Oder wenigstens einen Tag in der Woche mal zu Hause bleiben zu können um den Haushalt in Ruhe zu erledigen. Da das nicht geht muss ich weiterhin schauen dass ich alles irgendwie unter einen Hut bekomme und ab und zu müssen eben auch Abstriche gemacht werden. Als ich noch keine Kinder hatte, war meine Wohnung sicher immer säuberer als jetzt. Bei mir wird eben nur einmal in der Woche feucht durchgewischt und manchmal schaffe ich es erst nach 10 Tagen. Geht nicht anders und wem es nicht gefällt, dem zeige ich gerne wo meine Putzsachen sind. 

Als Mutter berufstätig zu sein hat seine Vor- und Nachteile. Man muss sich häufig arrangieren und das beste draus machen. Planung und Organisation ist sehr wichtig und dann klappt das auch alles irgendwie. Nur die Belastung und das oftmals schlechte Gewissen bleiben eben.

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