Sonntag, 17. Juli 2016

Studie zu "Alleinerziehend in die Armut" - wacht die Regierung auf

Hallo Ihr Lieben,

im Moment ein ganz großes Thema ist die neue Studie "Alleinerziehend in die Armut" welche am 06.07.2016 von der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht wurde. Ein Thema, welches mich als Alleinerziehende natürlich interessiert, vor allem, da auch mein Exmann leider seit 2015 zu den unzuverlässigen Unterhaltszahlern gehört.

Im Internet gibt es zahlreiche hitzige Diskussionen zu diesem Thema. Leider oft nicht gerade freundlich. Einerseits für mich verständlich, da ich selbst weiß wie nervenaufreibend es sein kann wenn man monate- oder jahrelang hinter dem Unterhalt her laufen muss. Auf der anderen Seite stehen viele Väter, die gerne zahlen möchten, es finanziell aber einfach nicht schaffen, oder die von Ihren Exfrauen die Kinder entzogen bekommen und so versuchen sich zu wehren. Nicht zu vergessen, die alleinerziehenden Männer, denn es gibt auch Mütter, die ihren Unterhaltspflichten nicht nachkommen.

Natürlich gibt es auch viele, die das ganze Drama nicht verstehen. Ich habe schon Aussagen gelesen in denen stand dass die Mütter halt ihren Arsch hoch bekommen sollen usw. Kann nur jemand sagen der nicht selbst in der Situation ist. Sicher gibt es auch einige Mütter, die zu Hause sitzen, nicht arbeiten wollen und der Meinung sind dass der Exmann für alles aufkommen soll. Auch keine Lösung. Die meisten arbeiten jedoch und versuchen alles um nicht nur vom Unterhalt oder von Ämtern abhängig zu sein. Außerdem ist es auch nicht rechtens wenn sich der unterhaltspflichtige Elternteil vor seinen Pflichten drückt.

So war/ist es bei mir:

Ich möchte euch heute mal von meinen Erfahrungen berichten, denn ich muss sagen, dass es wirklich Handlungsbedarf in dieser Sache gibt.

Als ich mich vor 6 Jahren von meinem Exmann getrennt habe bin ich zum Jugendamt, um mich zu informieren welche Rechte und Pflichten ich nun habe. Die Jugendämter stehen, Müttern und Vätern kostenlos beratend zur Seite und ich finde dieses  Angebot sollte auch, vor allem wenn die Eltern sich nicht einig werden, angenommen werden. Das Jugendamt informiert über Unterhaltsverpflichtungen und Umgangsrecht. Mir wurde von der für mich zuständigen Dame alles gut verständlich erklärt. Ich habe dann meinen Exmann zum Jugendamt geschickt, damit er sich ebenfalls beraten lässt und anhand seiner Verdienstbescheinigungen der Unterhalt ausgerechnet werden kann. Theoretisch hätte ich auch noch Anspruch auf Unterhalt gehabt, da die Kinder noch so klein waren. Da mein Ex jedoch nicht zu den Großverdienern gehört und ich groß genug bin um für mich selbst zu sorgen, habe ich darauf verzichtet. Das Jugendamt hat ihm dann ausgerechnet dass er den Mindestunterhalt für seine beiden Söhne bezahlen muss. Das haben wir dann auch gleich beim Jugendamt beurkunden lassen. Denn nur wenn der Unterhalt beurkundet wurde kann man, falls es nötig ist, pfänden.

Die ersten Jahre lief es mit den Unterhaltszahlungen noch relativ gut. Er hat zwar häufiger mal später und erst nach mehrmaligem nachfragen meinerseits bezahlt, aber weitestgehend hat es ganz gut geklappt. Als dann die Erhöhung des Unterhaltes für Timo kam habe ich zuerst noch gesagt, dass er mir nur mehr bezahlen muss. Zum besseren Verständnis für alle die sich mit dem Thema noch nicht beschäftigen mussten:

Der Unterhalt für Kinder wird in der sogenannten "Düsseldorfer Tabelle" geregelt. Je nach Einkommen des Unterhaltspflichtigen kann man hieraus den zu zahlenden Unterhalt herauslesen. Es gibt auch vier verschiedene Altersstufen. Der Unterhalt für ein unterhaltsberechtigtes Kind erhöht sich mit dem 6., 12. und 18. Geburtstag des Kindes.

Dann wollte er plötzlich nicht mehr:

Da mein Exmann jedoch immer wieder mit Geld um sich geworfen hat habe ich irgendwann dann doch auf die Erhöhung des Unterhaltes bestanden. Später, als Julian 6 Jahre alt wurde, war es dann wieder ein Kampf dass der Dauerauftrag geändert wurde. Im Januar 2015 kamen dann plötzlich statt 544 Euro Unterhalt für beide Kinder nur noch 344 Euro. Mein Ex hat sich erstmal dazu ausgeschwiegen, dann hat er behauptet er darf dass weil er so wenig verdient, usw. Das wurde mir irgendwann zu blöd und ich bin ins Jugendamt. Dann ging die Lauferei los.

Meine Möglichkeiten:

Ich musste dem Jugendamt mitteilen wie der Arbeitgeber meines Exmannes heißt. Gar nicht so einfach, da er nicht mehr bei der gleichen Firma arbeitet wie damals als wir uns getrennt haben. Mein Exmann wurde dann mehrfach vom Jugendamt angeschrieben, dass er sich doch bitte beim Jugendamt melden sollte und seine Verdienstbescheinigungen vorlegen muss. Darauf hat er einfach nicht reagiert.  Hier besteht schon zum ersten Mal handlungsbedarf von Seiten der Regierung. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, dass der unterhaltspflichtige Elternteil solche Schreiben einfach mal ignorieren kann und so die Sache um Monate hinaus zögert. Vom Jugendamt wurde mir dann mitgeteilt, dass ich die Möglichkeit habe auf Offenlegung der Verdienstbescheinigungen zu klagen, dass das aber ebenfalls wieder dauert.
Zwischenzeitlich habe ich versucht mich mit meinem Exmann zu einigen. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass ich mit monatlich 450 Euro statt 544 Euro einverstanden wäre, wenn er auch noch 600 Euro von Januar - Juni nachzahlt. Hat er nicht eingesehen, also blieb nur noch die letzte Konzequenz - Pfändung.

Das Jugendamt hätte die Pfändung für mich in die Wege geleitet. Die Dame hat mich jedoch gleich vorgewarnt dass es einige Monate dauern kann, weil sie den Tisch voll hat von solchen Fällen. Ein Armutszeugnis für unterhaltspflichtige Elternteile!
Da ich sowieso endlich mal die Scheidung einreichen wollte habe ich beschlossen, auch die Pfändungssache gleich über den Antwalt laufen zu lassen. So habe ich mit der Kollegin eines befreundeten Anwaltes einen Termin vereinbart. Ich habe ihr die ganze Sache erklärt und sie hat den Fall übernommen. Dann ging es wieder los. Meine Anwältin musste vom Jugendamt die Unterlagen anfordern und schauen was bereits gemacht wurde. Der Arbeitgeber wurde angeschrieben und ich musste sozusagen eine Mahnung an meinen Ex schreiben.

Ganz toll ist auch dass man, wenn man pfändet, erst mal in Vorleistung gehen muss. Ich habe eine Rechnung über 255 Euro vom Anwalt und ein paar Tage später noch eine Rechnung über 70 Euro vom Gerichtsvollzieher bekommen. Die musste erst einmal ich bezahlen. Solche Gebühren werden zwar in die Pfändung mit ein gerechnet, aber trotzdem sind erst einmal 300 Euro weg. Meine Anwältin hat mir erklärt, dass es zwei verschiedene Arten von Pfändungen gibt. Wir haben uns für die Lohnpfändung entschieden. Hierbei wird dann vom Arbeitgeber direkt ein Teil des Lohnes an mich überwiesen. Im August 2015 kam dann die Zahlung vom Arbeitgeber. Meine Anwältin hat mich darüber informiert, dass sie keine Infos darüber bekommt ob und wieviel Geld ich bekomme. Ich solle mir, damit ich den Überblick nicht verliere, also lieber die Zahlungseingänge vermerken. Das ist der zweite Punkt bei dem Handlungsbedarf besteht. Nicht jeder arbeitet wie ich im Büro und hat daher gelernt mit Excelltabellen umzugehen. Für mich persönlich war es kein Problem eine Excelltabelle zu erstellen und dort monatlich die Zahlungseingänge zu vermerken. Ich hab die Tabelle so erstellt, dass auch immer in der hintersten Spalte gleich ausgerechnet wird wie hoch die Über- oder Unterzahlung war und unten am Ende der Tabelle wird die Gesamtsumme der noch offenen Schulden berechnet.

Erst mal alles wieder gut:

Die Pfändung lief einwandfrei. Da mein Ex Lohn erhält, gab es einige Monate in denen ich mehr, andere in denen ich geringfügig weniger Unterhalt erhalten habe. Das hat sich jedoch ziemlich ausgependelt. Dieses Frühjahr hat mein Ex dann jedoch seine Stelle gekündigt und bei einem anderen Arbeitgeber angefangen. Er hat behauptet dass er nun nur noch knapp 1.000 Euro verdient. Vorher waren es zwischen 1.600 und 1.800 Euro netto. Da war ich natürlich erst einmal geschockt und habe gleich meine Anwältin angerufen. Sie hat mich darüber informiert, dass wir, sobald uns der bisherige Arbeitgeber über die Kündigung informiert einen neuen Pfändungsantrag stellen können. Dafür muss jedoch ich den neuen Arbeitgeber benennen. HALLO! Was ist dass denn für ein Unsinn? Gibt ja Expartner die kaum oder gar nicht miteinander reden. Warum muss ich solche Sachen wissen? In der Ausbildung habe ich gelernt dass "Geldschulden Bringschulden" sind. Gilt beim Unterhalt scheinbar nicht. Das sind "Hinterherrennschulden"!
Nach einigem hin und her habe ich dann die Adresse des neuen Arbeitgebers heraus gefunden und meinem Anwalt mitgeteilt. Meine Anwältin und ich haben dann jedoch überlegt ob es so schlau ist gleich wieder eine Pfändung beim neuen Arbeitgeber los zu treten. Macht ja beim Arbeitgeber sicher auch keinen guten Eindruck. Also hat mein Ex erst mal einen Brief von der Anwaltskanzlei bekommen, ob er nicht lieber wieder freiwillig zahlen will. Ich habe ihn dann noch mal persönlich drauf angesprochen und er meinte er macht nen Dauerauftrag.
Doof wie ich war habe ich mich erst einmal darauf verlassen. Tja, was soll ich sagen? Seit Mai bekomme ich gar keinen Unterhalt mehr. Nachdem mein Ex auf Rückfragen nicht reagiert hat habe ich nun wieder eine Pfändung beantragt. Das zieht sich jetzt aber schon seit 2 Monaten und ich vermute, dass ich auch im Juli keinen Unterhalt sehen werde. Hoffe dass dann spätestens ab August wieder alles läuft. Die Schulden meines Exmannes an seine Kinder sind inzwischen bei über 3.000 Euro angelangt.

Ich kann von Glück sagen, dass ich sehr sparsam bin und mit meinem Verdienst und dem Kindergeld kommen wir trotz Hausabzahlung ganz gut über die Runden. Große Sprünge sind jedoch nicht drin und man muss zu den Kindern dann halt öfter mal nein sagen. Leider geht es vielen Alleinerziehenden finanziell nicht so gut und ich kann mir vorstellen, dass es für viele schwierig ist wenn einfach mal 500 Euro jeden Monat fehlen. Einige meiner Bekannten laufen ebenfalls dem Unterhalt für ihre Kinder hinterher. Eine Mutter von einem Klassenkameraden von Julian hat die letzten 6 Jahre Unterhaltsvorschuss bekommen. Der wird jedoch höchstens für 6 Jahre und maximal bis das Kind 12 ist bezahlt.

GUTEN MORGEN liebe Regierung. Kinder kosten auch wenn sie älter als 12 sind noch Geld und auch länger als nur 6 Jahre. Ich verlange ja gar nicht dass die Regierung das alles auffangen soll, aber es muss für unterhaltspflichtige Elternteile schwieriger sein sich vor der Verantwortung zu drücken. Es muss einfacher für den Elternteil der die Kinder hat werden den Anspruch geltend zu machen. Unterhaltspflichtige Elternteile die nicht bezahlen müssen stärker bestraft werden.

Hier besteht meiner Meinung nach Handlungsbedarf:


  • Unterhaltspflichtigen muss es schwerer gemacht werden keinen oder zu wenig Unterhalt zu bezahlen.
  • Es muss leichter werden den ausstehenden Unterhalt einzufordern. Keine monatelangen Anträge und dann auch noch finanzielle Vorleistungen damit gepfändet werden kann.
  • Die Anrechnung des Kindergeldes auf den Unterhalt finde ich nur dann in Ordnung wenn der Unterhaltspflichtige die Kinder auch die Hälfte der Zeit und somit auch Ausgaben hat. Mein Exmann hat die Kinder alle 2 Wochen mal 24 Stunden (auf seinen eigenen Wunsch hin nur so wenig) wieso steht ihm da die Hälfte des Kindergeldes zu? Er kauft weder Kleidung, noch Spielsachen, noch Schulsachen für die Kinder. Die bekamen letztes Jahr nicht mal was zu Weihnachten von ihm.
  • Unterhaltsvorschuss darf nicht nur für 6 Jahre und auch nicht nur bis zum 12. Lebensjahr bezahlt werden. Kinder kosten auch danach noch Geld und zwar nicht gerade wenig.
  • Wer keinen Unterhalt bezahlt, jedoch finanziell in der Lage wäre sollte dazu gezwungen werden und zur Not ins Gefängnis kommen.
Die ersten Tage nach der Veröffentlichung der Studie hat man noch viele Stimmen dazu gehört. Nun wird es rund um das Thema schon wieder sehr ruhig. Trotzdem hoffe ich, dass die Regierung sich endlich mal mehr Gedanken zu dem Thema macht und schnell Änderungen beschließt, damit Kinder von alleinerziehenden nicht dazu verdammt sind in Armut zu leben.

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