Montag, 10. Oktober 2016

Wenn einem alles zu viel wird - eine depressive Phase

Hallo Ihr Lieben,

heute wird es hier mal sehr persönlich. Ich schreibe hier so oft wie schön und toll doch alles ist, aber auch ich habe Phasen in denen ich das gar nicht so empfinde. Letzte Woche hing ich wieder in einem ganz schön tiefem schwarzem Loch und erkannte mich selbst kaum wieder. Ich habe es zum Glück geschafft mich da wieder einigermaßen raus zu ziehen, aber ich spüre dass es noch nicht ganz durchgestanden ist.

Wer mich kennt weiß dass ich ein sehr positiver Mensch bin. Sicher schimpfe auch ich immer wieder einmal über alles mögliche, aber alles in allem bin ich glücklich mit meinem Leben. Natürlich gibt es zwischendrin auch einmal Tage an denen man alles zum Kotzen findet und am liebesten alles hinschmeißen möchte, aber das sind dann eben mal einzelne Tage. Das vergeht schnell wieder. So ist es dieses mal leider nicht. Das weiß ich, weil es mir vor 3 Jahren schon einmal so gegangen ist. Nur dieses mal ist es etwas anders. Scheint normal zu sein. Habe mich im Internet ein wenig eingelesen und scheinbar wird es jedes mal heftiger und wenn man nichts dageben unternimmt hat man irgendwann keine Phase mehr sondern hängt richtig in einer Depression fest.

Vor 3 Jahren war die Situation ähnlich wie heute. Es war ein langer Weg raus aus diesem Sumpf und ich weiß gar nicht mehr genau wie ich es damals geschafft habe. Ich bin kein Psychotherapeut, aber ich würde durchaus sagen, dass ich momentan eine depressive Phase habe. Anfang letzte Woche war es besonders heftig. Ich konnte mich kaum noch über etwas freuen, war gereizt und fand einfach alles Scheiße. Entschuldigt bitte die Ausdrucksweise, aber alles andere wäre gelogen.

Wie es sich anfühlt:

Angespannt war ich schon seit längerem, aber am Tag der Deutschen Einheit hat es mich dann leider komplett erwischt. Ich habe an diesem Tag schon mehrfach geheult und festgestellt, dass ich gar nicht zur Ruhe komm. Abends bin ich dann in meiner Küche heulend zusammen gebrochen und lag irgendwann auf dem Fliesenboden. Da man sich als alleinerziehende jedoch nicht gehen lassen kann, bin ich aufgestanden und habe weiter gemacht.

Jedoch habe ich am nächsten Morgen, als der Wecker geklingelt hat gemerkt, dass meine Stimmung immer noch nicht besser ist. Vormittags auf der Arbeit ging es dann, aber als Julian und ich Timo auf dem Heinweg bei der Schule eingesammelt haben kam schon wieder der nächste negative Hammer und so kam es dass ich, als wir zu Hause ankamen wieder einen Heulkrampf hatte. Ich lag eine halbe Stunde heulend in meinem Bett und konnte gar nicht mehr aufhören. Als Julian kam und versuchte mich zu trösten wurde das ganze nur noch schlimmer. Vor allem, da ich mir dachte ich müsse doch für meine Kinder stark sein. Leider konnte ich einfach nicht aufhören zu heulen.

Das schlimme ist, dass ich in dem Moment nur noch das Negative sehe. Eigentlich kann ich mich glücklich schätzen. Meine Kinder sind gesund, meine Eltern haben mir schon angeboten dass sie mich gerne noch mehr unterstützen können, 3 Freundinnen haben sich, als es besonders schlimm war rührend um mich bemüht und gekümmert und im Oktober habe ich ganz viele tolle Termine.

Ich weiß das durchaus alles, aber es kommt nicht in meinem Kopf an. Ich sehe nur all den Stress den ich habe, dass sich mein Exmann nicht um seine Kinder kümmert, dass es alle anderen besser haben als ich usw.
Sogar meiner besten Freundin konnte ich es kaum gönnen dass ihr Freund ihr einen tollen Geburtstag vorbereitet hat. Ich sehe wieder nur dass ich alleine bin und das wahrscheinlich auch die nächsten Jahre bleiben werde, weil ich weder Zeit noch Energie für eine neue Beziehung habe. Normalerweise stört mich mein Singledasein überhaupt nicht. Es ist von mir so gewollt gewesen und ich komme gut damit klar. Nur dann, wenn ich im tiefen Loch festhänge vermisse ich es dass jemand da ist der mich in den Arm nimmt und zu mir sagt: "Schatz das schaffen wir schon". Aber selbst dass ich deshalb schlecht gelaunt bin ist eigentlich falsch, denn meine Freundinnen haben mir ja genau das versucht zu vermitteln. Und dieses mal wollte ich eigentlich auch niemanden sehen und hören, sondern mir einfach nur die Decke über den Kopf ziehen und mich selbst bemitleiden.

Ich hasse es wenn ich so bin. Dieses ständige negativ sein. Wenn ich einen Bekannten treffe muss ich mir zum Gruß ein Lächeln ins Gesicht zwingen Das geht bei mir sonst automatisch dass ich lächle. Nicht jedoch wenn ich in einer depressiven Phase hänge. Da ist einfach alles und jeder blöd. Gleichzeitig quälen mich Schuldgefühle weil ich anderen gebenüber garstige Gedanken habe. Zum Glück ist es bei mir nicht so schlimm dass ich Selbstmordgedanken habe, aber Mitte letzer Woche dachte ich noch es gibt aus meinem "Scheißleben" keinen Ausweg. Wenn ich das schon schreibe und höre "Scheißleben". Von wegen. Es geht mir doch eigentlich gut. Sicher gibt es zigtausend Menschen denen es viel schlechter geht als mir, aber wenn man depressiv ist sieht man das eben nicht. Jetzt kann ich das wieder erkennen. Es geht also aufwärts.
Hinzu zu all den bösen Gedanken kommen noch Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Rastlosigkeit, Verzweiflung, Kopfschmerzen, Übelkeit. Meine Wohnung ist im Chaos versunken. Ich habe weder geputzt, noch Wäsche gewaschen oder Geschirr gespült. Einkaufen war auch nicht wirklich drin und zum Duschen musste ich mich zwingen.

Was tut man wenn es einem so geht? 

Ich für meinen Teil habe beschlossen, dass ich aus dem Loch schnell wieder raus muss. Ich habe mir am Freitag eine Auszeit gegönnt. Die Kinder früh in die Schule geschickt, Handy und Telefon ausgelassen und bin wieder ins Bett. Ich war so erschöpft, dass ich nicht einmal die Haustürglocke gehört habe und die ist, wenn man in meinem Schlafzimmer ist, eigentlich wahnsinnig laut. Man kann sagen, ich habe mich am Freitag Vormittag in meiner Depression gesuhlt bis ich es selbst satt hatte. Mittags habe ich mir dann ein langes Bad gegönnt und war bei der Kosmetik. Den Termin hatte ich zum Glück schon vorher ausgemacht, als ich merkte, dass es mir seelisch nicht so gut geht und ich mir kleine Auszeiten gönnen muss. Nach der Behandlung war ich dann noch in der Confiserie und habe mir ein paar Seelentröster geleistet. Wieder zu Hause habe ich es mir bequem gemacht und ein paar Serien angeschaut und kurz nach 18 Uhr bin ich dann zusammen mit einer Freundin ins Schwimmbad gefahren. Dort gab es erst eine Sport- und dann eine Wellnesseinheit. Als ich heimkam ging es mir schon um einiges besser. Das zeigt mir, dass es wohl noch keine ausgewachsene Depression sein kann, denn sonst hätte ich mich sicher nicht so schnell wieder aufraffen können.
Nur mein schlechtes Gewissen war immer noch da. Das hatte ich gegenüber meiner besten Freundin, denn ich hatte in der Woche einfach voll fiese Gedanken und konnte nicht einmal ihr ihr Glück gönnen. Dummerweise habe ich den Fehler gemacht und habe versucht mich ihr gegenüber zu erklären. Nicht meine beste Idee, denn sie hat das komplett in den falschen Hals bekommen und ich bin mir immer noch nicht sicher ob die Freundschaft noch zu retten ist. 

Aber alles Jammern hilft da leider auch nicht weiter. Ich muss nun in erster Linie schauen dass es mir komplett wieder besser geht. Lachen fällt mir schon wieder leichter. Ich habe heute meine Wohnung geputzt und kapsel mich nicht mehr ab. Auch mein Nervenkostüm ist um einiges gefestigter und ich reagiere wieder entspannter wenn es stressig wird. In nächster Zeit werde ich wieder versärkt auf mich achten. Tun was mir gut tut und mir immer wieder kleine Auszeiten gönnen.
Bis es mir wieder wirklich komplett gut geht und ich wieder ich bin kann ich nur auf Verständnis hoffen. Und dann muss ich dafür sorgen dass es nie wieder so weit kommt und ich in ein Loch stürze.

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