Montag, 17. April 2017

Es gibt viele Arten von alleinerziehend

Hallo Ihr Lieben,

heute schreibe ich mal wieder über ein Thema das mich bewegt. 

Vor kurzem traf ich eine Bekannte. Diese ist ebenfalls alleinerziehend und wir haben uns über die anstehenden Ferien unterhalten. Sie hat gesagt, dass es sie vor den Ferien graut. Ferien kosten immer soviel Geld und dann muss man überlegen, wie man die Kinder die ganze Zeit über beschäftigt. Im nächsten Satz hat sie mir dann erzählt, dass sie die Kinder ja nur eine Woche hat, weil ihr Exmann die andere Woche übernimmt.

Ich habe mich dann gefragt, warum sie denn dann soviel jammert und mir wurde wieder einmal bewusst, dass es unterschiedliche Arten von alleinerziehend gibt:

Alleinerziehend mit einem  getrennt lebenden Elternteil der sich kümmert
Das ist bei uns im Bekanntenkreis eigentlich die am meisten vertretene Art. Egal aus welchem Grund sich die Eltern getrennt haben und wie gut das Verhältnis zueinander ist, der Elternteil, der die Kinder nicht ständig hat, ist immer noch ein Ansprechpartner. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für den anderen Elternteil. Die Kinder sehen den getrennt lebenden Elternteil (bei uns in allen Fällen der Vater) regelmäßig. Es gibt hier ganz unterschiedliche Vereinbarungen - ganz klassisch jedes zweite Wochenende, jedes Wochenende, oder auch das 50/50 Modell sind bei uns im Bekanntenkreis vertreten. Hinzu kommen Feiertage und Ferien in denen die Kinder auch mal beim Papa sind. Die Väter sind bei wichtigen Ereignissen wie z. B. Einschulung oder Schulaufführungen dabei. Außerdem entscheiden die Eltern gemeinsam wenn es irgendwelche Probleme gibt. Sicherlich eine der entspanntesten Arten.

Alleinerziehend ohne den zweiten Elternteil
Auch das gibt es in unserem Bekanntenkreis. Eine Freundin von mir ist Witwe und stemmt seit dem frühen Tod ihres Mannes alles alleine. Eine andere Bekannte hat schon seit der Schwangerschaft keinen Kontakt mehr zum Kindsvater und bei einer anderen Mutter sieht der Sohn zwar den Vater sporadisch, aber nur für 2 Stunden bei ihr zu Hause und ansonsten ist er nicht erreichbar. Diese Mütter sind für mich die wirklichen alleinerziehenden, denn sie sind wirklich mit allem alleine und müssen alle Entscheidungen alleine treffen.

Da das Leben eben nicht nur aus schwarz und weiß besteht, gibt es da noch diverse Grautöne. Das sind dann:

Alleinerziehend ohne den zweiten Elternteil aber dafür mit Hilfe aus der Verwandtschaft
Jede alleinerziehende kann sich glücklich schätzen, wenn sie Verwandtschaft in der Nähe wohnen hat die gerne einmal die Kinder nimmt. Es ist eine Entlastung die durch nichts zu ersetzen ist. Leider haben bei uns im Bekanntenkreis die wenigsten "echten Alleinerziehenden" diesen Vorteil. Die die es am meisten brauchen würden haben meistens die wenigste Unterstützung.

Alleinerziehend mit zweitem Elternteil der sich kümmert, aber keinen Unterhalt bezahlt
Auch diese Möglichkeit gibt es und auch die hat ihre Tücken. Man hat zwar auf der einen Seite die Unterstützung des Expartners bei Entscheidungen und auch einmal ein offenes Ohr, hat jedoch dafür noch die finanziellen Sorgen.

Alleinerziehend ohne zweiten Elternteil und ohne Unterhaltszahlungen
Diese Mütter/bzw. auch Väter haben meinen uneingeschränkten Respekt. Man muss nicht nur alle Entscheidungen alleine treffen, sondern auch noch zusätzlich finanziell alles managen. Da kommen zu all den Terminen vielleicht noch die Gänge zum Amt um wenigstens ein paar Euro mehr in der Tasche zu haben. Ganz abgesehen vom schlechten Gewissen, weil man viel arbeitet und dadurch weniger Zeit für die Kinder hat.

Alleinerziehend mit zweitem Elternteil der sich nicht kümmert
Hierzu zähle ich. Bei uns gibt es zwar einen Vater und die Kinder sehen ihn, mehr oder weniger auch regelmäßig jedes zweite Wochenende für einen Tag, aber sonst interessiert er sich überhaupt nicht für sie. Er weiß weder wie es um ihre Gesundheit, noch wie es um ihre schulischen Leistungen steht. Oder was die Kinder für Hobbies haben. Die Kinder erzählen ihm kaum was und er fragt auch nicht weiter. Das alleinige Sorgerecht hat er mir bereits vor 2 Jahren freiwillig übertragen. Das sagt ja schon alles. Wenn ich Entscheidungen treffen muss tue ich das immer ohne ihn. Er erfährt es nicht einmal. Als Julian letzten Dezember einen Unfall hatte haben wir auch nicht beim Papa angerufen. Wieso auch? Er würde deshalb sowieso nicht kommen. Der Unterhalt wird seit längerem gepfändet und kommt somit wenigstens regelmäßig, wenn auch immer in unterschiedlicher Höhe. Kein Unterhalt ist immer noch eine zusätzliche Belastung.

Alleinerziehend mit zweitem Elternteil und  neuem Lebenspartner
Das zählt für mich schon fast gar nicht mehr zu alleinerziehend. Der zweite Elternteil kümmert sich immer noch um die Kinder, ist bei wichtigen Ereignissen dabei und man kann ihn auch mal anrufen wenn das Kind von der Schaukel gefallen ist. Er zahlt regelmäßig den Unterhalt und unterstützt wo es nur geht. Hinzu kommt noch ein neuer Partner, der einen ebenfalls unterstützt. Er nimmt einen in den Arm wenn man mal nicht mehr kann und hört sich alle Sorgen an. Sicher ist nicht unbedingt jeden Abend jemand da. Gerade dann nicht, wenn die Beziehung zum neuen Partner noch frischt ist. Aber man kann ihn anrufen und sein Leid klagen. Lustigerweise sind Frauen, die in dieser Situation sind, die in meinem Bekanntenkreis, die am meisten jammern, oder am muffigsten gucken. Also vielleicht doch nicht so ideal? Oder sind die Damen einfach nur zu unzufrieden mit sich und der Welt? Sehen sie wirklich all die Vorteile nicht?

Alleinerziehend ohne zweiten Elternteil, dafür mit neuem Partner
Nicht ganz so ideal wie die obere, aber natürlich auch schon um einiges besser als die anderen. Es gibt eine feste Konstante im Leben und man hat eine Schulter zum anlehnen.

Diese Liste könnte man wahrscheinlich unendlich fortsetzen. Es gibt sicher noch viele andere Arten von alleinerziehend.

Eine Freundin von mir, die auch alleinerziehend ist, hat mir erst vor kurzem von einer Bekannten erzählt, die behauptet hat dass sich ja auch allein erziehend ist, weil ihr Mann den ganzen Tag arbeitet. Das hat uns ganz schön zum Lachen gebracht. Mir hat es aber auch gezeigt, dass die wenigsten wissen, was alleinerziehend wirklich bedeutet. Und sogar viele alleinerziehende sehen glaube ich den kleinen feinen Unterschied zwischen den verschiedenen Arten nicht.
Ich kann nur milde lächeln, wenn mir eine andere alleinerziehende, deren Exmann sich um die Kinder sorgt, erzählt, dass wir es ja nicht so leicht haben. Klar ist alleinerziehend immer anstrengend, aber es gibt wie gesagt unterschiedlich große Päckchen zu tragen. Und ich finde es furchtbar, dass die, die es eigentlich ganz gut haben, am meisten jammern.

Ich für meinen Teil weiß, dass ich es ganz gut getroffen habe. Ich habe meine Eltern, die die Kinder gerne mal nehmen und mich so entlasten. Die Freundin von mir, die verwitwet ist, hat auch das nicht. Ihre Mutter ist der Meinung, dass sie sich selbst um die Kinder kümmern muss, da sie sie ja schließlich auch wollte. Und warum sie auch mal alleine ausgehen will ist für ihre Mutter völlig unverständlich. Dass ich im Gegensatz zu ihr einige Vorteile habe sehe ich. Wahrscheinlich bin ich auch gerade weil ich die positiven Seiten in meinem Leben sehe, eine von denen die am wenigsten jammert. Klar rege ich mich auf, wenn mein Exmann mal wieder vergisst, dass er die Kinder hätte holen sollen. Aber ich rege mich wegen meinen Kindern auf, nicht wegen mir. Da wird dann schnell mit einer Freundin telefoniert, Dampf abgelassen und gut ist es wieder. Ich bin mit meinem Leben, so wie es gerade ist, absolut zufrieden. Ich habe zwei wunderbare, gesunde Kinder, tolle Freundinnen, Eltern die ihre Enkel lieben, einen Job der mir Spaß macht, ein schönes Häuschen und eine positive Einstellung. Mehr kann und will ich gar nicht verlangen. Man muss einfach lernen zufrieden mit dem zu sein was man hat!

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