Samstag, 11. November 2017

Die Sache mit dem schlechten Gewissen

Hallo Ihr Lieben,

es gibt viele Gefühle auf die man gerne verzichten könnte. Traurigkeit, Wut, Neid, Ärger und Hilflosigkeit um nur mal ein paar zu nennen. Was mich auch oft plagt ist das schlechte Gewissen.

Das Problem kennt ihr sicher alle. Ich habe das Gefühl, dass ich früher nicht so oft ein schlechtes Gewissen hatte. Seit ich jedoch Mama bin ist das schlechte Gewissen ein ständiger Begleiter.

Schlechtes Gewissen - es gibt so viele Gründe

Gründe für ein schlechtes Gewissen finde ich immer viele. 
Ich habe ein schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber wenn ich sie mal wieder als Aufpasser für meine Kinder brauche, weil ich Abends mit ein paar Freundinnen weg möchte. 
Meinen Kindern gegenüber habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich mal in mein Zimmer verziehe um ein paar Minuten Ruhe zu haben und zu lesen. Wenn ich mit meinen Kindern schimpfe habe ich auch oft ein schlechtes Gewissen, weil meine Nerven manchmal einfach blank liegen und ich gereizt bin. 
Wenn ich mit meiner besten Freundin telefoniere und höre, was für Ausflüge und Aktivitäten sie wieder gemacht haben, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil wir das Wochenende komplett zu Hause verbracht und nichts gemacht haben. 
Wenn eines meiner Kinder krank wird habe ich meinem Kind und meinen Eltern gegenüber ein schlechtes Gewissen wenn ich arbeiten gehe und wenn ich zu Hause bleibe habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Arbeitgeber. 
An Tagen an denen ich abends zu kaputt bin um Sport zu machen habe ich ein schlechtes Gewissen weil ich dringend abnehmen müsste. Das gleiche Spiel natürlich wenn ich mal wieder genascht habe. 

Manchmal habe ich das Gefühl, dass das schlechte Gewissen mein ständiger Begleiter ist.

Woher kommt das schlechte Gewissen?

Wenn man genauer über das schlechte Gewissen nachdenkt, ist es meistens völlig unberechtigt und es kommt nur daher, weil die eigene Erwartungshaltung zu hoch ist oder man sich mit anderen vergleicht. Da habe ich mal einen passenden Spruch gelesen:

"Das Vergleichen mit anderen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit!" (Zitat von Søren Kiergegaard)

Dabei ist das Unsinn!
Ich muss meinen Eltern gegenüber kein schlechtes Gewissen haben wenn sie auf ihre Enkel aufpassen. Erstens können sie mir jederzeit sagen wenn es ihnen gerade nicht passt. Zweitens freuen sie sich wenn sie ihre Enkel sehen. Drittens kenne ich andere Eltern die viel häufiger auf ihre Eltern als Kindersitter zugreifen.

Es ist auch Unsinn meinen Kindern gebenüber ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich mal in meinem Zimmer etwas lese. Ich bin ja nicht weg. Meine Kinder können jederzeit zu mir kommen und dann lege ich auch das Buch weg wenn und bin voll für meine Kinder da. Und wenn ich mit meinen Kindern schimpfe ist es in der Regel durchaus berechtigt. Klar schimpfe ich, wenn ich gerade mit den nerven am Ende bin, schneller als sonst, aber meine Kinder motzen mich auch oft genug an wenn sie schlechte Laune haben.

Ein schlechtes Gewissen, weil andere mehr Ausflüge machen ist auch nicht berechtigt. Wir unternehmen im Laufe eines Jahres wirklich viel. Besuche in Freizeitparks, Minigolf, Bowling, Schwimmbad, Radtouren, Kino usw. sind alles Aktivitäten die wir mehrfach im Jahr unternehmen. Ich kenne einige Paare die mit ihren Kindern nicht so viel machen und ich wuppe das alles auch noch alleine - organisatorisch und finanziell. Außerdem sind meine Kinder manchmal auch ganz froh wenn es bei uns ruhiger zu geht und freuen sich über einen "Schlafanzugsonntag".

So könnte man die Liste immer weiter führen.

Erwartungshaltung runter schrauben!

Wenn man sich das ganze mal genauer betrachtet, macht man sich selbst den Stress und ein schlechtes Gewissen.

Meine Eltern haben sich noch nie beschwert wenn ich ihnen gesagt habe, dass es schön wäre wenn sie die Kinder nehmen könnten. Meine Kinder haben sich auch noch nie beschwert weil wir am Wochenende mal faul zu Hause waren und auch von meinem Chef kamen nie Klagen wenn ich mal 1 oder 2 Tage wegen eines kranken Kindes zu Hause bleiben musste.

Es liegt also wohl daran, dass ich von mir selbst zu viel erwarte. Eigentlich dachte ich immer, ich hätte mich von dem Perfektionswahnsinn schon lange verabschiedet, aber scheinbar habe ich das noch nicht in allen Punkten geschafft. In nächster Zeit muss ich da einfach mal wieder mehr drauf achten und ich sollte auch aufhören mich mit anderen zu vergleichen. Ich mache es eben auf meine Art und die ist weder besser noch schlechter. Sie ist einfach perfekt für mich und so sollte es auch sein.

Wie ist das bei euch? Habt ihr auch so oft ein schlechtes Gewissen?

1 Kommentar:

  1. Ich behaupte jetzt mal, dass der Einfluss der heuitgen Gesellschaft eine große Rolle spielt.
    Überall sieht, liest und hört man, wie "toll, überirdisch ja fast schon perfekt alles ist". Aber das auch dort eine Menge Organisation hintersteht, sieht man erst in zweiter Linie, wenn / weil man sekbst nicht so drinsteht.
    Ich habe in einem Interesanten Buch gelesen, dass man doch eigentlich garnicht genau weiß, was sind 100%?
    Bei dem einen sind sie evtl. schon bei 80% erreicht, bei dem anderen nicht mal bei 150%, weil er/sie/es immer noch irgendwo was sieht.
    Ich hatte früher sehr oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal "nein" gesagt habe. Ich habe dann angefangen, ausführlich zu erklären, warum weshalb weswegen.
    Aber: Es gibt Leute, da kannst Du Gründe aufführen, wie Du möchtest, für die ist das alles kein "wahrer Grund"(in Wahrheit wollen sie nur ihren Willen durchsetzen - egal wie!), den anderen musst Du es garnicht groß erklären, die sagen gleich: ist absolut okay. Dann geht es diesmal eben nicht.
    Ich muss dazu sagen, ich habe dies auch erst in einer Therapie lernen müssen und nun habe ich herausgefunden, dass ich HSP'ler in bin.
    Heißt, ich bin also etwas intensiver damit. ^^
    Du siehst also.... Du bist definitiv nicht alleine. ;)

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