Sonntag, 6. Mai 2018

Wie macht man es richtig?

Hallo Ihr Lieben,

ich gestehe, Kindererziehung treibt mich oft an meine Grenzen.

Man muss oft schwierige Entscheidungen treffen und möchte in die Zukunft sehen können. Leider geht das nicht, also muss man das für und wider abwägen. Ich bin mit schwierigen Entscheidungen vollkommen alleine. Mein Exmann nimmt sich da komplett raus und ist für mich in solchen Fällen kein Ansprechpartner. Manchmal möchte ich es mir auch so leicht machen können. Einfach jemandem anderen den schwarzen Peter zuschieben. Soll doch mal ein anderer die Entscheidungen treffen und hinterher damit leben.

Aber ich muss wieder ran

Gerade stehe ich wieder an einem schwierigen Punkt. Bereits seit 4 Jahren hat mein großer mal mehr, mal weniger mit der Konzentration zu kämpfen. Das hat uns schon viele Nerven gekostet. Da er auch immer sehr vergesslich war und das ein Chaos mit den Hausaufgaben gegeben hat, haben wir entschieden, dass er ab der 5. Klasse eine Ganztagesklasse besucht. Ich habe mir die Entscheidung damals nicht leicht gemacht und auch mit ihm darüber gesprochen. Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, dass es die richtige Entscheidung war.

Timo gefällt es in der Klasse recht gut, aber ich finde, dass er kaum Freizeit hat. Das liegt unter anderem auch daran, dass er seit diesem Jahr 2 x die Woche Nachhilfe bekommt, weil er Probleme mit der Rechtschreibung hat. Das heißt, Montag verlässt er das Haus früh um 7:15 Uhr und kommt erst um 17:15 Uhr wieder heim. Dienstag hat er 1 Stunde zwischen Schule und Aikido Zeit. Mittwoch und Donnerstag ist er um ca. 15:45 Uhr zu Hause und Freitag kommt er meistens um 13 Uhr und hat dann von 14 - 15:30 Uhr wieder Nachhilfe. In den paar freien Stunden die er in der Woche noch hat, muss er auch noch lernen. Jede Woche wird ein Vokabeltest in Englisch geschrieben und dann kommen noch die regulären Tests dazu.

Ich kann verstehen, dass er dann keine Lust mehr hat. aber ich bin auch im Zwiespalt. Einerseits möchte ich, dass er seine Freizeit genießen und Freunde treffen kann. Andererseits ist ein guter Schulabsschluss heute wichtiger denn je.

Überforderung, Hilflosigkeit, Ratlosigkeit

Momentan bin ich wieder einmal hoffnungslos überfordert. Mir geht es fast wieder so wie vor 4 Jahren, als ich ein Häuflein Elend war welches oft geschrien hat, überfordert und hilflos war. Da möchte ich nicht mehr hin kommen. Ich konnte mich in den letzten Tagen vor den Ferien schon selbst nicht mehr hören. Immer wieder das gleiche und nach einiger Zeit wurde der Tonfall lauter und aggressiver. Das kann so nicht weiter gehen.

Also habe ich mich mit Timo zusammen gesetzt und wir haben uns über das Problem unterhalten. Er meinte, dass er sich in der Schule sehr gut konzentrieren kann, aber abends einfach seine Ruhe möchte. Leider hat er beim letzten Mathetest nur die ersten 1 1/2 Aufgaben bearbeitet und die anderen 6 1/2 nicht. Er meinte er hätte zu wenig Zeit gehabt. Für mich ein Zeichen, dass die Konzentration leider nicht wirklich da ist. Auch am Wochenende merke ich, dass er sich einfach nicht konzentrieren kann. mein Großer schafft es an schlechten Tagen, für 8 Matheaufgaben den ganzen Tag zu brauchen.

Nach dem schlechten Mathetest war klar, dass geübt werden muss. An den Tagen, an denen er keine Termine hatte, sollte er 8 von mir aufgeschriebene Matheaufgaben machen. Zur Übung sozusagen. Wenn er sie nicht fertig hatte, durfte er nicht mit der Switch spielen. Die Bestrafung ist für ihn zwar schlimm, aber es hat nicht wirklich viel geholfen. Für mich ein Zeichen, dass er nicht kann. Wir haben uns dann noch einmal zusammen gesetzt und versucht eine bessere Lösung zu finden.

Wir haben nun also folgendes vereinbart:
  • Nach der Schule hat er erst einmal Pause.
  • Er macht die Aufgaben, die er leicht schafft alleine. Bei den Aufgaben, die er selbst als noch schwer empfindet mache ich mit ihm gemeinsam. Ich sage dann immer ich kaue ihm die Aufgabe vor. Kostet mich ziemliche Nerven, aber ich muss versuchen dass in den Griff zu bekommen.
  • Statt Bestrafung versuche ich nun ein Belohnungssystem. In der Anfangszeit bekommt er einen Bonus von 15 Minuten mehr Switch-Spielzeit, wenn er seine Aufgaben innerhalb von 1 Stunde erledigt. Mit der Zeit wird der Zeitrahmen von 1 Stunde auf 30 Minuten verkürzt.
  • Ich werde ihn nur noch an 3 Tagen in der Woche ein Matheübungsblatt geben.
In den letzten Wochen vor den Ferien hatte das recht gut finktioniert. In den Ferien haben wir dann bewusst Pause gemacht. Denn ehrlich gesagt habe ich selbst keinen Nerv mehr für all die übungen. Nun werden wir mit dem üben wieder anfangen und hoffen, dass es sich beim nächsten Mathetest bemerkbar macht. 

Schauen wie es läuft

In den Osterferien haben wir vereinbart, bis zu den Pfingstferien zu schauen wie es läuft. Wenn es weiterhin Probleme gibt, werden wir wohl doch noch einmal bei der Psychiaterin vorstellig werden und vor Beginn des neuen Schuljahres Ritalin ausprobieren.

Viele werden jetzt sicher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Glaubt mir, die Entscheidung fällt mir nicht leicht. Wenn man es genau betrachtet, schiebe ich sie seit fast 5 Jahren immer wieder vor mir her. Aber ich denke, dass wir inzwischen alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben (Konzentrationstraining, Klassenwiederholung, Homäopathie und und und). Irgendwann ist einfach Schluss. Ich möchte nicht, dass er sich selbst im Weg steht. Notentechnisch ist er momentan Mittelmaß. Aber die Konzentrationsprobleme machen sich ja auch in vielen anderen Bereichen bemerkbar. Im Straßenverkehr z. B. fährt er schon mal durch die rote Ampel, weil er sie nicht gesehen hat (bei einer bekannten Strecke, die er täglich fährt wohlgemerkt). Oder er vergisst die Hälfte. Dadurch hat er immer wieder Probleme.

Leider kann mir niemand sagen, ob es richtig ist das Medikament zu geben oder nicht. Falls es so weit kommt, werden wir einfach abwarten müssen und sehen wie sich das ganze entwickelt. Mal schauen was die Zukunft so bringt.

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