Sonntag, 1. Juli 2018

Muten wir uns zuviel zu?

Hallo Ihr Lieben,

immer häufiger höre ich im Bekanntenkreis, dass jemand sagt, dass er nicht mehr kann. Auch bei mir selbst kann ich immer wieder solche Momente erleben.

Woran liegt das? Muten wir uns selbst zu viel zu? Wird in der Gesellschaft zu viel von uns erwartet? Liegt es an unserer schnelllebigen Gesellschaft? Oder liegt es daran, dass in den Medien immer heile Welt herscht?

Ich weiß es leider nicht. Aber man hört immer wieder Berichte dass Burn Out die neue Volkskrankheit ist. Das war doch früher nicht so. Die Gründe hierfür können ganz unterschiedlich sein. Bei vielen liegt es sicher an der Arbeit. Hier wird stellenweise immer mehr von immer weniger Personal verlangt. Ich kenne viele, die sich kaum krankschreiben lassen, auch wenn es ihnen schlecht geht, weil sie den Kollegen die Mehrbelastung nicht zumuten möchten.

Manchmal ist es auch die Mischung aus allem. Die Anforderungen auf der Arbeit, die privaten Termine, die Familie.

Ich selbst merke bei mir, dass es mir immer dann schlecht geht, wenn mein Leben nicht mehr in geregelten Bahnen läuft. Momentan macht mir der ganze Stress mit der Baustelle in der Einliegerwohnung in meinem Haus zu schaffen. Ich hasse es einfach, wenn ich etwas nicht im Griff habe. Wenn ich nicht weiß wie etwas weiter geht. Das macht mich fertig.

Aber auch wenn es mal wieder besonders stressig mit den Kindern in der Schule ist merke ich, dass ich nach einiger Zeit auf dem Zahnfleisch gehe.


Schöne heile Welt!

Die Medien helfen einem da auch nicht. Schaut man sich die Fernsehserien und Filme mal genauer an ist da doch meistens heile Welt. Die Frau Mitte 30 hat ein tolles Haus, einen liebenden Ehemann der sie auf Händen trägt, wohlgezogene Kinder, eine super Figur, kocht jeden Tag frisch, hat immer eine saubere Wohnung, hat immer Zeit für Sport und auch noch wahnsinnig viel Spaß dabei, trifft sich fast täglich mit Freundinnen auf ein Gläschen Wein und nebenbei geht sie noch arbeiten oder ist sogar selbständig. Aber auch bei einigen Blogs, Instagramm-Seiten oder sonstiges könnte man meinen überall ist heile Welt. Die weichgezeichneten Bilder suggerieren uns dass einfach immer alles perfekt sein muss.

Etwas mehr Ehrlichkeit würde vielleicht schon helfen

Leute, seid doch mal ehrlich. Jeder kennt das, dass man früh in den Spiegel schaut und am liebsten wieder ins Bett gehen würde. Die Augenringe sehen furchtbar aus, aber man hat nicht die Zeit oder das Können um sie weg zu schminken. Die Haare sind strähnig und man müsste dringend mal wieder zum Friseur. Ich glaube ich habe nur eine einzige Freundin, die mit ihrer Figur vollkommen zufrieden ist. Alle anderen haben mit mehr oder weniger Problemzonen zu kämpfen. Die Wohnung wird auch nicht täglich geputzt und es gibt schon mal Fast Food oder schnell die Fertigpizza aus dem Supermarkt. 
Was ist so schlimm daran das ehrlich zuzugeben? Ich habe es mir abgewöhnt immer so zu tun als wäre alles super und perfekt. Das bringt auch nichts. Ganz im Gegenteil. Wenn man ehrlich sagt, dass es einem schlecht geht, dass man auch mal überfordert ist, stellt man ganz schnell fest dass man nicht alleine ist. Den Mamas in meinem Bekanntenkreis geht es nicht viel anders als mir. Auch sie würden gerne mal wieder zum Friseur gehen. Oder würden gerne in die Zukunft schauen können um für die Kinder die richtige Entscheidung zu treffen.

Seit ich ehrlicher zu mir und anderen bin geht es mir um einiges besser. Klar habe ich immer noch manchmal das Gefühl einfach nicht mehr weiter zu wissen oder gehe auf dem Zahnfleisch, aber ich weiß, dass es millionen anderen genauso geht. Ich weiß, dass ich bei meinen Freundinnen auch mal jammern kann und diese mich wirklich verstehen. Wir müssen den Perfektionismus etwas herunter schrauben. Außerdem dürfen wir uns nicht blenden lassen von all den ach so tollen Bildern, Serien und Filmen die uns vor Augen halten dass wir eben nicht so sind. Natürlich sind wir das nicht. Denn das hier ist das echte Leben - ohne Make-up Artists, Personaltrainer, Köche, Putzfrauen, Weichzeichner, Nannys und Photoshop. Ich habe mir jedes einzelne graue Haar und jede einzelne kleine Falte hart erarbeitet und verdient. Meine Kinder sind vielleicht nicht perfekt und ich bin es schon gleich gar nicht, aber ich lebe mein Leben, tue mein bestes und habe Spaß dabei! Und wenn ich an manchen Tagen lieber mal die Füße hoch lege und lese anstatt mich stressen zu lassen, dann ist es genau das was ich für mein Seelenheil brauche. Einfach mal eine kleine Auszeit vom Alltag.


Auszeiten sind sowieso wichtig

Ich weiß, dass es im Alltag nicht immer leicht ist sich eine Auszeit zu nehmen. Aber das ist genau das Problem. Wir arbeiten, machen und tun und es muss immer irgendwie weiter gehen. Klar kann man nicht einfach mal zu den Kindern sagen dass man jetzt mal eine Woche Urlaub nimmt und sie sich selbst versorgen sollen. Man kann auch nicht einfach der Arbeit den Rücken kehren und alles stehen und liegen lassen. Aber manchmal reichen auch schon kleine Pausen. Sei es eine Tasse Kaffe oder Tee die man ganz bewusst in Ruhe trinkt, eine halbe Stunde beim Friseur, eine Massage die man sich gönnt oder einfach die Fahrradtour mit den Kindern bei der man seine Umgebung auf sich wirken lässt. Jedem tut etwas anderes gut und man muss für sich selbst heraus finden was es ist und wie man es in den Alltag einbauen kann.

Abschließend lässt sich wohl sagen, dass wir alle etwas entspannter leben würden, 

  • wenn wir unsere Erwartungshaltung herunterschrauben. Uns selbst, aber auch anderen gegenüber. 
  • wenn wir uns bewusst Zeit für uns selbst nehmen.
  • wenn wir uns von den Medien nicht zusätzlich stressen lassen.
  • wenn wir uns vom Perfektionismus verabschieden und eben nur noch halb perfekt sind.
Ich versuche diese Punkte so gut es geht zu berücksichtigen. Klappt sicher nicht immer, aber ich bin eben nicht perfekt.

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